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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Jahrhunderten zäh am Silber gehangen. Geschieht dies,dann mich nicht bloß das Silber nach und nach an Wertverlieren (in deu letzten drei Jahren schon über zwei Pro-zent!), sondern die Länder, welche mir Silber münzen,gehen einer gefährlichen Isolierung entgegen. In diesemFalle ist Deutschland. Während England, Belgien, Italien ,die Schweiz, Spanien, die Türkei, Ägypten, Amerika schonauf dem Gvldfuß leben, ist Verwendung für Silber nurnoch in Holland, Skandinavien , in Zeutral-Amerika, teil-weise in Frankreich und Belgien zn finden. Frankreich geht eben mit sich zu Rate. Faßt es den Entschluß auch,das Silber auszugeben, so könnte Deutschland wohl hiuter-her beschließen, ihm zu folgeu und ebenfalls sein Silber inGold einzuwechseln: nur schade, daß zwei zu einem solchenHandel gehören. Und eben den Zweiten, Unentbehrlichenfände es nicht mehr. Ja, viele Sachverständige behaupten,es sei bereits zu gegenwärtiger Stunde zu spät; in Frank-reich , (gesetzt auch, es werde sich nicht geflissentlich dagegenabsperren) und in den übrigen Silberländern fünde sichkein Platz für den Abfluß unseres Vorrats, dessen Bar-bestand auf 550 Millionen Thaler geschätzt wird.

Am richtigen Verständnis für diese Probleme hat eslängst nicht gefehlt in Deutschland . Das eben ist ja unserealte Klage. Voraus im Wissen, zurück im Thun bei allenöffentlichen Dingen. Lauge vor den Franzosen waren wirzur Handelsfreiheit bekehrt, aber in der Nähe besehen,üben wir noch heute mehr Schutzzvlluerei als sie. Soauch hat die Lehre mit außerordentlichem Fleiß nnd Eiserseit geraumer Frist die Münzrcform betrieben, die Dezimal -nnd Goldwährung empfohlen. Aber die offizielle Regie-rungsweisheit an maßgebender Stelle blieb ungerührt. Siewollte ihr Silber gegen Gold umtauschen, sagte sie, weunersteres wieder auf seiueu Einkaufspreis gestiegen sein