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gründen. Wie stünde es mit den beträchtlichsten Nahrungs-Angelegenheiten des Landes, wenn dieses burschikoseSchwänzen allgemeine Regel würde? Oder achten Sieauf die Posse, welche seit geraumer Zeit als Sturm aufdie Militärverfassuugen zur Aufführung kommt. Bayern ,heißt es da, und Württemberg sollen an die Stelle einerregulären Armee irgend ein Schützenkorps setzen, welches,lieblich anzuschaueu, daher käme über Berg und Thalmit dem Pfeil nnd Bogen früh im Morgenstrahl. Dummsind bekanntlich die geehrten Herren Antragsteller nicht.Sie Nüssen so gut wie Sie uud ich, daß solche lobe-same Miliz einem Angriff von außeu nicht von Sonnen-aufgang bis zum ersten Frühschoppen widerstehen würde.Ihre Rechnung ist vielmehr diese: der Norddeutsche Buudhält ja ein Heer, das stark genug ist, Deutschlaud zuschützen; weshalb sollten wir nns die Last auflegen, eineArmee zu bezahlen, Kriegsdienst zu thun; weshalb solltenwir uns den Ruhm versagen, dem Militarismus einen all-zeit gern gesehenen Fußtritt zu versetzen? Kommt dieStunde der Gefahr, wird Moltke auch schon für Süd-deutschland sorgen, ^owvsns: so rechnen noch die An-ständigen von der Gesellschaft. Denn ich brauche Ihnennicht zu sagen, daß es daneben noch andere Rechner giebt,die in der Stille ihres Herzens denken: die deutscheNationalität sei, genau besehen, eine Sache des Vorurteils,und gewisse zeitliche uud ewige Angelegenheiten würdenetwa auch unter der Schirmvogtei Frankreichs ganz wohlversorgt sein. Endlich spielt noch eine dritte Sorte mit,eine sehr verbreitete. Diese kalkuliert wie folgt: mitunseren Redensarten und Adressen, wohlverstanden, werdenwir selbst beim augestammten, engeren Landesvater uudseinen Räten nichts ausrichten; aber es steht doch immer-hin schön vor den Wählern, die Abschaffung des Militärs