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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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ganze Organismus unserer Verkehrswelt beruht darauf, das;keine Zinsen verloren gehen. Deshalb muß auch das sichzur Zahlung bereit machende Geld bis kurz vor dem er-wähnten Abrechnungstermin ein interimistisches nützlichesUnterkommen suchen. Der Beweggrund, daß der Bankierin der Zwischenzeit die Zinsen nicht verlieren will, ist nurder subjektive Ausdruck des ökonomischen Grundgesetzes, das;unsere Wirtschaft darauf eingerichtet ist, keinen Teil ihrerTauschmittel beträchtliche Zeit entbehren zu können. Aberindem der mit der künftigen Zahluug betraute Bankiereinstweilen die sich sammelnden Mittel zinsbar anzulegensucht, muß er zugleich darauf bedacht seiu, dies in solcherWeise zn thun, daß sie im gegebeneu Augenblick leichtflüssig gemacht werden können. Aus diesem Grunde werdendie aus den verschiedensten Anlässen in ganz Deutschland vereinnahmteu Gelder nach deu Börsen- und Vankplützcnhingezogen, wo sie täglich verwertet uud im gegebeneuAugenblick zurückgenommen werden können. Der lebhafteund treibende Geist der Spekulations-Mittelpunkte kümmertsich jedoch wenig um die innere Bewandtnis, die ihm diesenZufluß verschafft. Der Zufluß steigert die Geschäftslust;die Geschäftslust führt den Zufluß auf tausend Wegen seit-wärts, von denen die Rückkehr nicht so leicht füllt. Inden Epochen der großen Zahlungen werden dann nur unterharten Anstrengungen die flottanten Zahlmittel auf einenPunkt wieder zusammengerufen, und je länger sie bei demEmpfänger verweilt hatten, desto schwerer ächzt der Geld-markt unter der plötzlich ihm wieder auferlegten Entbehrung.Jeder große Zahltag wirkt ähnlich wie der Vorgang, welchereintritt, wenn ein großes Staatsanlehen in einer großenHauptstadt eingezahlt wird. An allen Extremitäten entstehtBlutleere, im Mittelpunkt entsteht Überfüllimg. Jeder guteFinanzminifter wird sich beeilen, die massenhaften Zahlungen,