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Als ich beobachtete, mit welcher Andacht zugehörtwurde, während einige strenge Kontingentierer in feierlichemTon ihre lockeren Grundsatze in Sachen der Privat-Zettel-banken vortrugen, fiel mir, zu meinem Unglück, wieder einealte Geschichte ein von einem Gascogner und einem Nor-mannen. Der Normanne trug eine gewaltige Aufschneidereivor. „Ach," seufzte der Gascvguer, „sind Sie glücklich,mein Herr! Ich, mit meinem Accent, könnte niemalswagen, dergleichen zn erzählen."
Hatte die Zeit zwischen dem Abschluß der Kommissions-beratung und der zweiten Lesung dem Einfluß der be-sonderen Interessen, dem Druck vou außen gehört, so ge-wann nach der lebhaften Debatte im ganzen Hause wiederdas Bewußtsein und das Gewissen des großen Ganzen dieOberhand, und das Gefühl drängte sich auf, daß man imBegriff gewesen war, etwas recht Unverantwortbares zuthun. Daraus auch allein ist zu erklären, daß der Bundes-rat, gegen seine Gewohnheit nnd gegen alle Regeln derKlugheit, sich dazu hergab, den Fehler sich aufhalsen zulassen, zu welchem sein Redner die eine Hälfte des Hausesmit hatte verleiten helfen. Die Bresche ward nicht voll-endet, welche der Antrag Siemens ins Bankgesetz zn legengemeint hatte. Statt ihrer ward nur eine Hintertür an-gebracht, zu welcher der Schlüssel dem Bundesrat anver-traut ist. Wird dieser sein Pförtnernmt gewissenhaft ver-walten? Wenn es ihm gelingt, so verdient er, daß manihm ein Kompliment mache. Denn wir haben es ja erlebt,daß es nichts Kleines ist, dem Andrang der kompakten Privat-interessen Widerstand zn leisten. Nicht etwa, weil In-tegrität dazu gehört! Denn wer wollte glauben, daß, wiein parlamentarischen, so auch in gonvernementalen Gebieten,die Privatinteressen bei uns anders wirken, als durch atmo-sphärischen Druck auf die Empfindung und Vorstelluug der