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sich den Luxus eines solchen Geständnisses erlauben. KleineLente würde mau moralisch totschlagen, wollten sie einsolches Wagnis unternehmen. Und nicht blos; würden sieeinen leichtsinnigen, politischen Selbstmord durch Übungsolcher Offenherzigkeit begehen, sondern es rächt sich schonallemal im Kreis des öffentlichen Lebens der Grad vonmittelbarer Aufrichtigkeit, welcher verschmäht, in ausdrück-lichen Beteuerungen den großen und notwendigen Grund-sätzen zu huldigen, welche die Teile zum Ganzen zusammen-halten. Denn der Mensch, welcher angeblich sich durch dasLachen vom Tier unterscheidet, verliert diesen Vorzug undwird zur „erusten Bestie", sobald er aus der Vereinzelungund Vergänglichkeit seines Individuums heraustritt undmit der Gesamtheit sich zu verstäudigeu hat. Das bedeutetder vielverspottete „Cant" der Engländer, welche nicht um-sonst unsere Lehrmeister in politischen Dingen gewordensind. Auch wir, wie alle Völker, haben unseren parla-mentarischen Cant, und wer dessen Ton nicht anschlagenkann, wird stets Einbuße an Wirksamkeit dafür zu leidenhaben. Am glücklichsten arbeitet der in der Öffentlichkeit,welchem Natur zu Verstandes- und Charaktergaben denunerschütterlichen Glauben an sich und sein Verhältnis zurWelt mit auf den Weg gegeben. Doch auch die, welchenur aus dem Instinkt der Selbsterhaltung heraus sich an-getrieben sühlen, bei allem Thuu und Lassen die Hand aufdie Brust zu legen, haben für den Erfolg ein großesStück voraus. Ju alledem waltet die weise Ordnungder Welt.
„Du, mein Sohn, bist fromm und klug,Gottessürchtig, stark genug,Und es wird dir wohl gelingen.Jenen Joab umzubringen."