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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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dem gefährdeten Herrscherhaus etwas zugute thun undseine Gegner als frivole Neuerer verunglimpfen.

Und dennoch rückt das Verhängnis sichtbar heran.Was vor wenigen Jahren die meisten noch zuzugebensich weigerten, ist heute eingestandene Thatsache. Die taubenOhren alle haben sich eines nach dem andern dem Alarm-rüf öffnen müssen. Eine Herrschaft von Gottes Gnadenwährt eben noch häufig lange fort, wenn der Gott und dieGnade, denen sie ihr Reich verdankten, längst zerstörtsind; aber es liegt doch nur ein zeitlicher Unterschiedzwischen dem Verschwinden der Ursache und dem Ver-schwinden der Wirkung. Auch das geheimnisvollste Wesenleitet sein Bestehen von ganz bestimmten Ursachen ab, undgerade, wenn sein Bestand ins Wanken kommt, fangen wiran, die Wurzeln seiner Kraft gewahr zu werden. Soauch hier.

II.

Zwei Bewegungen aus der Gesamtheit derer, welcheden Fortschritt der menschlichen Gesittung charakterisieren,haben wir an dieser Stelle ins Auge zu sassen. Mit demPhilosophen zu reden, gehört die eine dem Reich der Aus-dehnung, die andere dem Reich des Denkens an. In räum-lichen Dingen geht ein Zug der Zivilisation ganz sichtbardahin, das Leben zu erleichtern; nnd zwar im wörtlichstenSinne des Wortes. Es handelt sich um die Tendenz, allesKörperliche, was der Mensch zu tragen oder in Bewegungzu setzen hat, so wenig umfangreich, beziehungsweise sowenig schwerwiegend herzustellen wie möglich. Die Arbeitdes Denkens ihrerseits wendet sich mit stets wachsendemKraftaufgebot der Entzifferung der Lebensgesetze zu und,zum Unterschied gegen frühere Zeiten, auch vornehmlich