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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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höchsten Maße bestätigen. Zum greifbaren Ereignis ward sie durchdie in dem sogenannten Dezemberbrief desselben Jahres verkündeteSchutzzollpolitik.

So groß auch die Bedeutung des Umschlags zu protektionistischenGrundsätzen schon an sich war, war sie doch als Symptom fürden Geist des neuen politischen Systems noch viel großer. Da-durch wurde die nationalliberale Partei vor die Frage gestillt, ob sie,entgegen ihrer bisherigen Gesamthaltung, ihre Wege von denen derRegierung trennen müsse oder nicht; und aus der zwiespältigen Beant-wortung der Frage ging die Spaltung der Partei in zwei Fraktionenhervor. Da die Krise sich schon eine Zeit lang vorbereitet hatte, wares bereits früher zu starken Reibungen und zu partiellen Absonderungengekommen. Eine mäßige Anzahl meist süddeutscher Abgeordneter,Anhänger des Fürsten Bismarck um jeden Preis und zum Schutzzollhinneigend, waren nach rechts als eine Gruppe ausgetreten. An ihrerSpitze standen Volk und von Schauß (Karl Braun bezeichnete sie inseinen: Bummelwitz als die scheußlichen Völkerschaften). Nach linkshatte sich Laster, dem seine gleichdenkenden Freunde zu lange zauder-ten, losgesagt. Am Schluß der Frühjahrssession MV hatte sich dieMeinungsverschiedenheit über die einzelnen Fragen und das gegen-seitige Mißtrauen dermaßen gehäuft, daß der Bruch unvermeidlichwurde.

Im Juli ^830 kam von Forckenbeck, der laugjährige liberale Prä-sident des Reichstags nnd damalige Gbcrbürgerineister von Berlin ,zu mir nach Juterlaken, um nach vorhergegangener Verständigungmit einigen führenden Aollegen die Verabredung wegen des offiziellenAustritts aus der nationalliberalen Partei definitiv zu fassen, vonmir begab er sich zu Schenk von Stausfenberg, in gleicher Absicht.Mit Rickert wurde das Weitere auf brieflichein Wege erledigt. Vonnamhaften Kollegen hatten u. a. Braun, von Bunsen; Alexander Meyerihren Anschluß zugesagt, vor dem Wiederzusammentritt des Reichstagswurde das Manifest veröffentlicht mit achtundzwanzig Unterschriften.Den NamenSezession" gab sich die neue Gruppe nicht selbst. Die Presse