sich sehr klar bewußt ist, daß er einem politischen Gegnernicht gerecht sein darf, so lange er mit ihm streitet, haltenjene es sogar für unstatthaft, daß seine Handlungen undEntwürfe nach ihrem innern Wert und ihrer Zuträglichkeitobjektiv geprüft werden, meinen vielmehr, daß denselben umihres Autors willen von vornherein ein unbeschränkterKredit einzuräumen sei. Eben dadurch, daß Einspruch gegenMaßregeln sofort als Akt der Feindseligkeit gegen die Personaufgefaßt wird, sind wir so verhängnisvoll tief in daspersönliche Regiment hineingeraten. Auch wo man erwartensollte, die Dinge selbst schlechterdings nach ihrem Inhaltgewürdigt zu sehen, wird schließlich immer wieder an daspersönliche Zartgefühl appelliert, das auf Gegenseitigkeithier weniger als irgendwo in der Welt sich Rechnungmachen darf.
Weit entfernt, den Vorwurf persönlicher Verstimmtheitin irgend welchem Maße als begründet anzuerkennen, be-hauptet der Verfasser: in keinem andren Land der Weltwäre eine so unbefangene Behandlung gegnerischer Politikdenkbar, wie sie in dieser Schrift die Politik des Kanzlerserfahren hat. In Ländern, in welchen die den Machthaberngegenüberstehenden Parteien zu ebenbürtiger Kampfstellunggereift sind, wird eine nach allen Seiten gerecht abwägendeKritik ebenso wenig von der Opposition gegen die herrschendeMacht geübt, wie solche jetzt bei uns zur Abwehr undUnterdrückung gegen die Opposition geübt wird. Das liegtin der Natur der Sache. Kampf ist Kampf, und nichtGerechtigkeit sondern nur galante Waffen kann man voneinem guten Kampfe erwarten. Würden nur solche Waffenbei uns dermalen nicht so ganz systematisch verschmäht, sostünde gar vieles besser.
Nur weil es immer rätlich ist, auch die kleinen Vor-teile zu genießen, welche mit großen Nachteilen verbunden