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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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sind, darf bei uns sich die Opposition noch zur Aufgabemachen, den ihr gegenüber stehenden Minister menschlichfrei und gerecht anzuerkennen, wie es hier in vollem Maßegeschehen ist. Denn wo die Erfolge aller Opposition dochvon vornherein aus ein geringes Maß beschrankt sind, darfman sich der kleinen und großen Ungerechtigkeiten entschlagen,welche bei einem nicht aussichtslosen Kampf zu harter Not-wendigkeit werden können.

Auf eines allerdings kann man vernünftiger Weisenicht verzichten, nämlich Verdienst und Verantwortlichkeitungetrennt an derselben Quelle zu suchen. So viel auchschon über die Teilung der Gewalten im Staat gesagtworden ist, das hat doch noch niemand zn behaupten gewagt,daß dem einen Teil alles Gute und dem andren Teil allesBöse, was da geschieht, angerechnet werden müsse. Wersoviel Macht ausübt, wie Fürst Bismarck , muß da, wo überso viel Unleidliches geklagt wird, seine Portion davon aufsich nehmen; und wenn er im Laufe der Zeit seine Machtimmer stärker und ausschließlicher gebraucht hat, währendnach allgemeiner und auch seiner eigenen Aussage so Mancheswieder zurückgegangen ist, so liegt doch nichts näher, alsden Zusammenhang zwischen seinem Regiment nnd den be-klagten Erscheinungen zn suchen.

Aber umgekehrt darf man auch nicht so blind sein, ihmnun wieder alles aufzubürden, was schief geht. Die nach-folgende Schrift hat die größte Sorgfalt darauf verwendet,zu erklären, welche Schwierigkeiten dem Staatskünstler ansder spröden Natur des nationalen Stoffs erwuchseu, den erzu bilden hatte, aber sie durfte darum nicht übersehen, daßder Künstler allgemach anch seine eigenen Fehler dem Stoffaufgeprägt hat.

Es wäre schließlich nicht ratsam, den Vorwurf persönlichfeindlicher Haltung gegen den Kanzler mit gar zu großem