Druckschrift 
5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49

Ernst zurückzuweisen. Denn augenscheinlich ist einem solchenVorwurf eine gewisse Dosis Sarkasmus beigemischt. Inder That würde ja ein gewöhnlicher Sterblicher, welcher sichwie ein persönlicher Gegner des mächtigsten Mannes derWelt geberdete, die Ironie herausfordern. Aber etwasAnderes ist es mit der Gleichberechtigung des Urteils,welches keineswegs durch die Machtstellung des Urteilendenbedingt ist, ja gerade das besondere Recht des Schwächerengegen den Stärkeren ausmacht. Freilich wird sachlicheKritik am wenigsten verziehen, wenn man sie nicht ausVoreingenommenheit herleiten kann, und man vergiebt zehn-mal leichter einem alten Feind als einem alten Anhänger.

Mit besonderer Energie ist der Vorwurf einer plan-mäßig betriebenen Reaktion zurückgewiesen worden. Daßsie planmäßig gemacht sei, ist aber hier nirgends gesagt.Im Gegenteil könnte man eher das Planlose angedeutetfinden. Die falsche Auslegung verwechselt zwischen Ge-plantem und Unvermeidlichem. Alles was seit 1876 ge-schah, hat mit Notwendigkeit zur Reaktion geführt. Aber,ob ungewollt oder wider Willen, die Reaktion ist nichtminder da. Das Entscheidende war, daß damals mit derbesonnenen, zu Fuße gehenden Staatspragmatik gebrochenund dem Verlangen derer nachgegeben wurde, welche sichherandrängten, einen großen Reformator der deutschenWirtschaft auszurufen und ihn aufs hohe Roß der wuuder-thätigen Gesetzgebung zu heben. Der großsprecherische Lärm,unter welchem jene Verkündigungen aufgetreten sind, ist seit-dem immer mehr ermuntert, immer lauter, immer wirksamer,er ist zur Signatur unsrer öffentlichen Zustände geworden,weil der Lenker des Reichs nicht jenen Verheißungen sein Ohrverschlossen, weil er ihre Hilfsleistung angenommen hat.

Aber, heißt es dann, was soll er thun der Unglückliche?Er hat ja keine Mehrheit und muß jeden Wind benutzen,

Llidwig BlimbergerS Ges. Schriften. V. 4