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woher er auch blase, um das Staatsschiff vorwärts zu bringen.Freilich hat er keine Mehrheit hinter sich. Aber konnte erkeine haben? Wollte er eine haben? Ist nicht vielleichtdie Quintessenz aller Staatskunst darauf verwendet worden,um das nicht zu bekommen, was ziemlich leicht zu habenwar? Jede deutsche Regierung, mit wenigen Ausnahmen,kann eine freisinnige Mehrheit haben, wenn sie nur will,und der Mann, der alle deutschen Regierungen au einemFaden lenkt, sollte das nicht zu Stande bringen können?Weil er Mehrheiten von Fall zu Fall und nie eine Mehr-heit auf die Dauer haben wollte, hat er jeden Wind ge-nommen, den er in sein Segel fassen konnte, aber freilichvorwärts haben weder die konträren Winde, noch das siebenutzende Segel das Staatsschiff gebracht.
Wenn nun einmal das Alles sich so verhält, wozu,fragt man, dann Euer Widerstand? Ihr könnt ja doch denKanzler nicht beseitigen! Zugegeben! und die Frage, obman ihn beseitigen wolle? wird dadurch zu einer müßigen.Aber wird nicht gerade darum die Pflicht zur Verhinderungaller uns als falsch erscheinenden Maßnahmen, zur Ver-teidigung aller uns für bewährt geltenden Einrichtungeneine um so stärkere? Ist auch jeder Widerstand gegen daswas uns vom Übel scheint durchaus vergeblich, ja sogarverderblich? Und sollen wir der Gegenwart und Zukunftdadurch walten, das; wir, sowie die Kritik ihre Stimme er-heben will, ihr in die Rede fallen mit dem begeistertenRuf: „Auf nach dem Kapitol und lasfet uns den Götterndanken für die großen Thaten des Fürsten Vismarck!" —Wenn er einmal angeklagt werden sollte, weil er dasdeutsche Reich gegründet hat, so wollen wir jenem Rufefolgen, wolle» alle mit aufs Kapitol gehen. Wenn er unsaber Entwürfe bringt, wie wir Haus und Hof im Reich be-stellen sollen, so wünschen wir unseren Widerspruch er-