ragende Stellung in der öffentlichen Meinung und in denParlamenten einnehmen sollte. Die auf der liberalenMittelstraße sich bewegenden Massen fanden in ihr denAusdruck ihrer Gesinnung. Mit der großen Umwälzungeinverstanden, war die neue Partei bereit, ihre Kräfte derBefestigung und Ausbildung des neuen Staatswesens znwidmen, und diese ihre Mitwirkung ward als die einer un-entbehrlichen Verbündeten von der preußischen Regierungaufs eifrigste begehrt und bewillkommt.
Ein Jahrzehnt lang hat im Großen und Ganzendies Verhältnis sich erhalten. Abgesehen von einzelnenSchwankungen und Reibungen, welche in so weitschichtigenund bewegten Angelegenheiten nicht zu vermeiden sind, hatin der Zeit von 1867 bis 1877 zwischen der Partei undder obersten Reichsleitung ein gutes Einvernehmen gewaltet,welches sowohl in der Hauptsache, das ist in der Vereinbarungder großen Gesetze, als auch nebenher in den diese gemeinsameArbeit begleitenden Wechselbeziehungen des gesamten Poli-tischen Verkehrs zum Ausdruck kam. Konnte auch diePartei in den Wahlkörperschaften des Reichs und Preußens es nie zn einer vollen Mehrheit bringen, so wurde dochdas Fehlende dergestalt durch das Einverständnis derRegierung ergänzt, daß in den wichtigsten Fragen beinaheimmer die Auffassung der Nationalliberalen den Ausschlaggab. Die Fachmänner in der Reichsregierung und in denMinisterien der dieser ergebenen Einzelstaaten waren, außeretwa in scharf zugespitzten politischen Freiheitsfragen, derselbenAnschauungsweise zugethan wie die führenden Abgeordnetender nationalliberalen Fraktion.
Zu der Zeit aber, als das erste Jahrzehnt zur Neigeging, hatte sich eine tiefe Wandlung in dem Stand derDinge vorbereitet, uud alsbald sollte sie in greller Weiseans Licht treten. Die im Jahre 1878 verfügte Auflösung