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trachtungen einen Beigeschmack von Bitterkeit, der unserenAbsichten ganz zuwider wäre. Aber es darf wohl ohneFurcht vor Mißdeutung ausgesprochen werden, daß die so-genannte „Sezession" im engsten Zusammenhang mit jenenoben geschilderten früheren Erlebnissen der Partei steht.Ihre dreimalige Erschütterung und Schwächung ist einerund derselben elementaren Ursache entsprungen, und jenerletzte Vorgang kann nur richtig beurteilt und verstandenwerden, wenn er als folgerichtige und notwendige Weiter-entwicklung einer seit 1877 eingetretenen Rückbildung er-kannt wird. Den ersten Stoß versetzte die Reichsregierung*).Darauf lösten sich die der Regierung am meisten zugeneigtenElemente vom Hanptstamm ab, und abermals nach Jahres-frist folgte die Loslösung auf der entgegengesetzten Seite.
Wenn hier die sichtbaren Wirkuugen einer innerenorganischen Veränderung zum Vorschein gekommen sind, sokaun es sich nur noch darum handeln, die Gründe dieserVeränderung selbst zu erkennen. Und das ist nicht schwer,wenn mau den Verlauf der Dinge ins Auge faßt. DieExistenz der uatioualliberaleu Partei beruhte, wie ihre Ent-stehung ausweist, nicht bloß auf der Vertretung einer be-stimmten politischen Überzeugung, sondern auch auf einembestimmten, mit dieser Überzeugung harmonierenden Verhältniszur Negierung. In dem Zusammentreffen dieser beidenVoraussetzungen wurde der Geist lebendig, unter dessen An-rufung das deutsche Reich wieder aufgerichtet worden war,wie auch die beiden in dem Namen der Partei in eins ver-
Wenn schon die Wahlen von 1877 den Stand der Partei von 155ans 125 Mitglieder rcdnzicrten, so ist diese erste Hcrnbinindcrung allerdingsnicht ans Rechnung einer direkten Gegnerschaft der Negierung zu setzen.Allein es ist ebensowenig zu verkennen, daß der Kanzler dnrch sein Auf-treten bei der Beratung der Justizgesetzc und durch die Entlassung Dclbrücksallen Gegnern der Nationallibcralen, sowohl denen von rechts als denenvon links, wirksame Angriffs Mittel geliefert hatte.