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bundenen Worte dies so treffend zum Ausdruck brachten.
Eiue Regierung, welche den nationalen Staat ins Lebenzu rufen, und eine Partei, welche diesen Staat mit liberalenInstitutionen auszurüsten unternahm, verbanden sich hierzu gegenseitiger Unterstützung. So lange diese Vereinbarnngin Kraft blieb, erhielt sich auch der Parteibestand. Er ge-riet immer mehr ins Wanken, seitdem bei der Regierungimmer mehr die Neigung hervortrat, das Verhältnis einseitigzu gestalten. Sie begehrte die alte Anhänglichkeit, aberohne Gegenseitigkeit. Man sollte eine Regierung stützen,welche von liberalen Grundsätzen sich abwendete und nachder entgegengesetzten Seite hin einlenkte.
Über die Frage, ob man sich eine solche Auslegungdes stillschweigenden Pakts zwischen Negierung und Parteigefallen lassen solle, kam es zu jenen Zerrungen, aus welchender doppelte Riß entsprang. Die einen erklärten für denwesentlichen Teil des ursprünglichen Programms, an demman um jeden Preis festhalten müsse, die Bundesgenossen-schaft der Regierung; den anderen schien es durchaus un-zulässig, dieser Bnndesgenosseuschaft das liberale Bekenntnisder Partei zu opfern. Der nach zweifacher Ablösung zu-rückgebliebene Stamm der Partei endlich vertritt den Glauben,daß noch immer die Möglichkeit fortbestehe, am ursprünglichenzweifachen Beruf wirksam festzuhalten, oder wenigstens beierster Gelegenheit ihn wieder aufzunehmen.
Es ist nur natürlich, daß eine politische Gemeinschaft,welche geraume Zeit hindurch au großen Schöpfungenfruchtbringend mitgewirkt hat, nicht leicht auf ihre Ver-gangenheit und auf ihre Überlieferung verzichtet, und darum,auch noch so stark aufsteigenden Zweifeln gegenüber, an derBerechtigung ihrer Existenz festhält. In einer, gerade ihrerEntstehung nach, auf die Ausgleichung der Gegensätze hin-gewiesenen Partei wird eine solche mittlere Sinnesart,