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Schwert und Dolch, die heißen Wallungen des italienischen und französischen Temperaments. Und hier — die armenunschuldvollen deutschen Liberalen, die so wenig nach irdischerMacht und Vergeltung trachten, daß, auch verfolgt, gedrücktund verleugnet, die meisten von ihnen noch nicht einmalden Gedanken auch nur einer zahmen Gegnerschaft zu fassenvermögen! Auf welche Erklärungen verfällt nicht ein Kopf,desfen Energie auch damit zusammenhängt, daß er für jedesHindernis die Erklärung immer nnr in der Verschuldunganderer sucht! Wahrlich, nicht in den Reihen jener pla-tonischen Opposition, der es schon zum Vorwurf gemachtwird uud welche selbst beinah Gewissensschmerzen verspürt,wenn einer aus ihrer Mitte zum Geheimen Rat aufrückt;nicht in der asketischen Brüderschaft, die der brotlosenKunst des liberalen Parlamentarismus sich widmet, lebendie auf des Kanzlers Macht Eifersüchtigen, welchen er imWege steht. Giebt es überhaupt solche, so sind es dieselben,denen er schon damals in den Weg trat, als er zu ihremSchrecken die Pforten des Staatslebens dem freien Luftzugeiner neuen Zeit öffnete. Damals zogen sich die Heiß-sporne der dunklen Manteuffelszeit schmollend von ihmzurück, weil er sie aus dem Alleinbesitz einträglicher Machtverdrängt hatte; sie ganz zu beseitigen, ist auch ihm niegelungenund heute sind sie dank seiner bußfertigen Rück-kehr zu ihrer Weltanschauung auch wieder im vollen Auf-marsch begriffe». Denn ganz mit vollem Rechte konnte erin der bereits erwähnten Rede (vom 8. Mai d. I.) ausrufen:„er habe das Gefühl, daß die rückläufige Bewegung,„die Minderung der Begeisterung für die nationale„Entwicklung, die damals uns alle, alle beherrscht,„einen ganz außerordentlich weiten Weg schon zurück-gelegt habe."
Sollte er wirklich nicht ahnen, daß er selbst der Führer