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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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gegen dasselbe zusammen, sondern sie entwickeln sich ausseinen innern Zuständen heraus. In einem ernstlich par-lamentarischen Staatswesen wäre, wenn auch eine solcheDauer, jedenfalls solche Unantastbarkeit nicht denkbar. Pittsachtzehnjährige Herrschaft war auch schwer zu tragen, abersie war nur während einer kurzen Zeit so unbestritten.

Wenn Bismarcks langes Regiment als das natürlicheErgebnis der geschehenen Dinge anzusehen ist und noch hentim Inland und Ausland schlechthin für unentbehrlich gilt,so schlagen anch wir es als nichts Geringes an, daß einMann an der Spitze des Reiches steht, dessen Name alleindie Feinde schreckt und Armeeu auflviegt. Aber darumdürfen wir doch nicht das Bedenkliche unseres politischenEntwicklungsganges übersehen. Wir bezahlen, was wir ge-wonnen und zumal die Art wie wir es gewonnen, mit denentsprechenden Rachteilen. Die Nation hat sich ihre Ein-heit von einem einzigen Mann und zwar von einem Mannder eigen gearteten preußischen Aristokratie machen lassen.Nicht seine Schuld, sondern allein die Schuld der Natiouoder ihr Verhängnis zum mindesten ist es, wenn sie imVerlauf der Diuge sich ohue ihn hilflos und verlegen fühlt.Errungen hat das deutsche Volk seine Einheit mir imKampf mit dein auswärtigen Feind. Was Wunder, daßalles, was seitdem geworden ist, immer wieder als neben-sächlich hinter die zwei Faktoren zurücktritt, die alles gemachthaben: Bismarck und die Armee! Die Nation hätte eineandere sein müssen als sie war, um nach solchen Anfängen,wie die der Jahre 1866 und 1870, die aus BismarcksHänden zum Dank für die geleisteten Waffendienste empfangeneEinheit und Beteiligung an den großen Staatsangelegen-heiten fest zu ergreifen uud selbständig weiter zn führen. Abereben weil es so gekommen war, weil die Nation niemals vorherPolitische Kraft genug besessen hatte, sich selbst ihr Schick-