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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Wir werden uns hüten, die ganze Reihe der Zweifelwieder aufzuwühlen, von welchen die Polemik über deuGrundgedanken der nationalliberalen Richtung, über denAnschluß an die Bismarck'sche Politik der Jahre 1867 und 1871gelebt hat. Die in diesen Jahren ans der Tiefe und Breite derNation spontanerweise hervorgegangene Bewegung steht schoninsofern über der Kritik, als man füglich sagen kann: selbstwenn sie falsch war, war sie unvermeidlich, d. h. dochwiederum nicht falsch. Jedenfalls mehr als mit weit zu-rückschweifenden Untersuchungen wird durch das feste Her-ausgreifen einiger wenigen bestimmten Kontroversen ge-leistet, zu welchen sich der Meinungsstreit um die Partei-taktik zugespitzt hat. War es doch gerade das taktischeVerhalten und nicht der innere Gehalt der Ansichten, wasso viel Kritik herausgefordert hat, und wer unter den Kriti-sierten selbst nachträglich das Bedürfnis empfinden sollte,mit seinem Gewissen zu Rate zu gehen, würde noch amersten seine Zweifel gegen diesen taktischen Teil seiner Ver-gangenheit zu richten versucht sein können.

Bei all den langjährigen Angriffen handelte es sichim Grnnde immer um die Frage, ob und wie weit mansich mit gegnerischen Ansichten in Kompromisse einlassensolle?

Man hat es also hier nicht mit einem vereinzelten zu-fälligen Verhalten zu thun, sondern mit einer überall undimmer wiederkehrenden Schwierigkeit des öffentlichen Lebens.Und es darf wohl als ein Vorteil betrachtet werden, das;das Problem von solchem höher liegenden Gesichtspunktaus zu lösen ist. Selbst ein mißbilligendes Endnrteil wirdleichter ertragen, wenn nicht ein isolierter Fall, sonderneine große, allgemein menschliche Streitfrage zur Entschei-dung steht. Was bei uns Kompromißpolitik genannt wird,heißt in Frankreich heutzutage ,,0xx>orwni8ro.s" und wird