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dort dem weiland tou tru-isux Gambetta an den Kopf ge-worfen.
So weit sind wir nun aber im politischen Denken schongekommen, daß die Vernünftigkeit der Kompromisse zu einemGemeinplatz geworden ist und daß die Heiligen, welchelieber Hungers sterben, als sich einen Deut an der Bar-zahlung ihrer prinzipiellen Forderungen abziehen lassen,wenig Nachahmer finden. Man hat auch längst heraus-gebracht, daß solche unerbittliche heilige Gläubiger in derRegel mehr vom Hunger der Anderen leben, als am eigenensterben.
Das Kompromiß ist gar kein besonderes Kapitel ausder Politik, sondern eine berechtigte Eigentümlichkeit desgesamten Daseins in der „groß und kleinen Welt". Kom-promiß ist bewußter oder unbewußter Ausgleich im Wider-spiel der Kräfte, und durch diesen Ausgleich allein erhältsich das Gleichgewicht der Welt und die Fortdauer desLebens. Nur wir armen Menschen haben uns wegen dieserKompromisse von Anfang bis zu Ende unseres gequältenDaseins die Köpfe zu zerbrechen, während Sonne, Mondund Sterne, wenigstens so weit wirs wissen können, dieSache, ohne nachzudenken und ohne gescholten zu werden,mit sich selbst und untereinander abmachen.
Die Frage kann also in richtiger Begrenzung nur sogestellt werden: nach welchen Regeln man Kompromisseschließen solle? Giebt es solche Regeln? Der Weg sie zufinden zeigt sich von selbst, sobald man die Natur der Sacheerfaßt hat. Weuu das Kompromiß nichts anderes ist, alsder Ausgleich der vorhandenen Kräfte, so wird das richtigeVerfahren ohne jeden Zweifel von der richtigen Mesfungder auszugleichenden Kräfte abhängig zn machen sein. Jederder beiden Teile wird sich Rechenschaft zu geben habenvon der Gefahr, die er läuft, wenn er im Parallelogramm
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