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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Übrigens fehlt auf diesem Weg auch jede Gelegenheit zuKompromissen. Die Politik des Kanzlers hat, seit sie 1877den Rückweg angetreten, noch nie das Bedürfnis gefühlt,von den Liberalen gegen ein Ansinnen der Reaktion unter-stützt zu werden. Vielmehr konnte man in den letztenJahren sicher sein, für Angriffe auf den Geist der Gesetz-gebung der ersten Periode stets eine sympathische Stimmungvorzufinden.

Von Kompromissen also, die einen Teil des früherGeschaffenen retten sollen, analog zu den Kompromissen,welche ehedem das Wünschenswerte schaffen halsen, ist garkeine Rede. Der Kanzler hat sich eine sichere Majoritätverschafft, welche ihrer innersten Neigung nach für jedeWiederbeseitigung von Reichsinstitntiouen zu brauchen wäre;bis jetzt hat er nicht das Bedürfnis gezeigt, den Thatendrangdieser Majorität zu dämpfen. Wenn er heute eine Mehrheithaben wollte, um das ganze Reich und sich selbst zu beseitigen,er könnte sie auf der Rechten und im Zentrum finden, undnur, weil ihm gewiß nicht einfällt, Dienste dieser Art vonihnen zu verlaugeu, begnügen sie sich einstweilen mit derVorbereitung und erwarten das Übrige von der Zukunft.Wo hellte au die Liberalen noch das Ansinnen gestellt wird,sie möchten eine Strecke weit mit dem Kanzler zusammen-gehen, geschieht es nicht, um etwas von der freisinnigenGesetzgebung in Kompromissen mit der Reaktion zu retten,sondern um Begleitung zu haben auf einigen Etappen, wodie Reaktionsverbündeten, insbesondere die Mitglieder desZentrums, den Geleitsdienst zu teuer verkaufen wollen.Diesen Etappendienst ans dem rückwärts führenden Wegverlangt man von den Liberalen. Sie sollen ritterlich bei-stehen, damit man an der nächsten Station, unter ihremSchutz angekommen, auch mit ihren Gegnern nach Bedürfniswieder gemeine Sache machen könne. Und nur mit einer