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weil der Schutzzoll ein untrennbarer Bestandteil des reak-tionären Programms geworden ist. Der Kampf bewegt sichheute nicht mehr in den engen Grenzen der einfachenHandels- oder Gewerbepolitik. Es steht weit größeres aufdem Spiel. Die Reaktion, welche seit dem Jahre 1876vorbereitet wurde, begann allerdings ganz leise mit einigenVerschärfungen im Strafgesetzbuch und einem kleinen Aus-gleichs- und Kampfzoll-Vorschlag gegen die Ausfuhrprämienauf französisches Eisen. Aber das war nur das erste Ein-biegen in einen Weg, welcher die Kultur der deutschenNation um ein Jahrhundert zurückführen soll. Die großenHerren der Eisenindustrie Pflegen sich in ihren Reden undSchriften das zweideutige Zeugnis auszustellen, daß sieDeutschland die ganze Umkehr seiner Handelspolitik ersparthätten, weun man ihnen rechtzeitig ihr „bischen Herzegowina"in Gestalt der Ausgleichungszölle als eine Art Grenz-berichtigung gegeben hätte. Möglich schon, daß sie sichselbst nicht genug kauuteu, um vorauszusehen, wie sehrihnen der Appetit im Esfen gekommen wäre, und daß sieihre Bundesgenossen nicht genug kauuten, um zu wissen,daß der Weg weit über ihre Wünsche und Bedürfnissehinaus nach den Kulturgebieten ging, in welchen die Er-findung der Dampfmaschine als ein Übel bekämpft wird.Zwischen Freihandel und Schutzzoll wurde mir das ersteVorposteugefecht geliefert. Dauu ging es rückwärts in stetsbeschleunigtem Tempo. Die Eisenleute wurden von denSpiuuern weiter geschleppt, welche in ihrer Festung Augs-burg den lauge von den Eisenleuten zurückgewiesenen Paktmit den Agrariern abschlössen. Von den Agrariern gehtes weiter zurück in die Regionen der Zünftler, und vonhier aus zeigt sich dem Blick das heute noch unübersehbareGebiet, wo gewerbliche, kirchliche, gesellschaftliche, intellek-tuelle und sittliche Reaktion überhaupt, nachdem das Stich-