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wort des „Nationalen" seine Schuldigkeit gethan, mit demStichwort des „Sozialen " ein Spiel beginnt, dessen Ge-fahren gegenüber viele wohl denken wie der selige Gentz:„Mich und den Metternich hälts noch aus."
Der Kampf zieht sich in geschlossener Linie zwischenzwei Weltanschauungen hin, die um das Gesamtgebiet desLebeus mit einander ringen, und wer angesichts dessen nochsich dem sanften Ruhegedanken hingeben kann, um der wirt-schaftlichen Gegensätze willen lohne es nicht, sich Politischzu trennen, erfreut sich eines beneidenswerten Humors.
Nun ist ja gewiß, daß der Kampf zwischen Altem undNeuem das Leben selbst ist; kein Vernünftiger wird inKlagen darüber ausbrechen, daß seine Gegner, ebenso wieer, ihre Meinung durchzusetzen suchen. So lange nur ent-gegengesetzte Anschaunngen mit einander streiten, ist keinGrund zu besonderer Beunruhigung oder Klage gegeben,»ud gingen die Gegensätze noch so weit auseinander, vor-ausgesetzt, daß Auschauuugeu und Maßregeln um ihrer selbstnullen das bewegende Prinzip der Kämpfer bilden. Manmuß sich bei Niederlagen sagen, daß eine Ansicht, welchedie Oberhand gewinnt, wenigstens insofern berechtigt ist,als in ihr schließlich doch der jeweilige überwiegende Gehaltder Bildung und Neigung eines Volkes zum Borscheinkommt. Bedenklich wird die Sache, wenn Anschauungennnd Maßregeln nicht mehr um der ihnen innewohnendenHeilsamkeit willen zur Geltung gebracht werden, sondernweil es für andere Zwecke dienlich erscheint. Zwar auchdie beste aller Regierungen, die abhängigste wie die un-umschränkteste, wird nie ganz vermeiden können diesen oderjenen Schritt weniger im Glauben an seine Ersprießlichkeitzu thun oder zu unterlassen, als weil er ihr in dieser oderjener Sphäre Zustimmung einträgt oder Mißbilligung fernhält. Darum werden, wo der richtige Sinn für die Lebens-
Ludwig Bambcrgcr-i Ges. Schriften. V. ß