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bedingungen des Staates waltet, zu dergleichen hergebrachteilRegierungskünsten nur die untergeordneteren und vorüber-gehenden Funktionen der öffentlichen Thätigkeit verwendet. Jemehr dagegen ein Regiment in die wichtigen und dauerndenGrundlagen des Staatsorgauismus zu solchen Zwecken derSelbsterhaltung hineingreift, desto mehr verkennt es seinenBeruf.
Wer fälschlich etwas für gut hält, wird in der Ver-folgung seines Zieles auf Hindernisse stoßen, die ihn zumNachdenken, zum Einlenken, zum Ausgleich mit den vor-handenen Bedürfnissen einladen. Wer aber ein Ziel ver-folgt, weil es ihm geboten erscheint, Anhänger für andereAbsichten zu gewinnen, verschließt sich von vornherein dieAussicht auf belehrende Erfahrung, versagt sich die Gelegen-heit zu prüfen, ob ein Widerstand warnend aus der Naturdes Beginnens oder nur aus dem Willen der Gegner ent-springt. Fehler, die aus sachlichem Irrtum entspringen,tragen ihr Korrektiv in sich selbst; Fehler, die um fremd-artiger Zwecke willen gemacht werden, steigern sich in deniMaße, als sie auf berechtigte Hindernisse stoßen und treibenimmer weiter auf Abwege.
Diese Verführung liegt um so näher, als bekanntlicheine mit Vorliebe auf Gewinnung von Anhängern bedachteStaatskunst ihrer ganzen Natur nach darauf angewiesenist, vor allem auf die Schwächen der Menschen zu spe-kulieren. Dies war wenigstens immer das Rezept Derer,welche persönliche Herrschaft zu befestigen trachteten, undwird es immer mehr, je mehr Staatsverfassungen undÄ'ulturgang dazu nötigen, mit großen Volksmasseu zu rechnen.Der erste Napoleon, ein Virtuose, der mit klarem Bewußt'sein dies Handwerk betrieb, rechnete, wie man aus seineueigenen Bekenntnissen weiß, auf die Eitelkeit der Franzosenals auf diejenige Schwäche, bei welcher sie am ersten zu