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besonderer Gunst behandelt werden, ohne daß alles, was ge-schähe, thatsächlich sich gegenseitig aufheben müßte? DasProblem, Alle gegen alle zu bevorzugen, kann daher, auchwenn man es sich als ein gutgläubig gemeintes denkt, nurauf die Erregung eines falschen Scheins hinauslaufen.Einzelne Gruppen werden in Wirklichkeit die Gnnst genießen,andere nur in Täuschung leben, und die Notwendigkeit,zum Vorteil kleinerer Gruppen den großen Massen Scheinfür Wirklichkeit zu bieteu, ergiebt sich mit doppelter Gewaltaus zwei Ursachen. Zum ersten daraus, daß kleinere In-teressengruppen, eng zusammengefaßt und der Regel nachdurch altes Herkommen gefestigt und geschult, auch bereitsmit Macht und Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheitenausgerüstet, bei weitem am besten in der Lage sind, daszur Staatsmaxime erhobene Prinzip der Bevorzugung inpraktische Formeln zu übersetzen und zur Anerkennung zubringen. Daher sehen wir, daß gewisse Zweige der In-dustrie, wie die des Eisens und der Baumwolle, in welchendas Verlangen nach Bevorzugung durch lange und wohl-gepflegte Überlieferung zu einer Art Rechtsbewnßtsein aus-gebildet ist, allenthalben am schnellsten und geschicktestenbei der Hand sind, ihr großes Stück von dem zu verteilendenKuchen in Sicherheit zu bringen.
Eine zweite Ursache, welche dazu treibt, das Systemder Bevorzugungen für die kleineren Interessengruppen zurWirklichkeit, für die größeren zum bloßen Schein zu machen,liegt zwar tiefer, ist aber darum nicht minder vorhanden.
Je größer der Kreis Derer ist, welchen die Gunst zu-gewendet werden soll, desto schwieriger ist es natürlich, dieWirkungen der Maßregeln im einzelnen zu verfolgen. EineGruppe von Industriellen, welche ihr Stück vom großenKuchen untereinander teilen, kann schon nachrechnen, waseinem Jeden von ihnen wirklich auf den Teller kommt. Bei