— 118 —
den großen Massen werden die Portionen so verschwindendklein und von so ungeübten Rechenkünstlern kontroliert, daßes viel leichter gelingt, sie mit dem bloßen Scheine ab-zufinden, und die Versuchung hierzu liegt um so näher, alses in der That unausführbar ist, die Vielen auf Kosten derWenigen zu bevorzugen. So erklärt es sich, daß bei derVerteilung von Staatsgunst die Wenigen, Zusammenstehenden,Einflußreichen und Rechnungsverständigen mit barer Münzebezahlt werden, die vielen, lose oder gar nicht unter sichVerbundenen, Machtlosen und Ungeschulten mit Rechen-pfennigen. Das ist einer der zahlreichen Fälle, wo diealte Geheimkunst von dem „was man sieht und was mannicht sieht" zur Anwendung konimt. Sie weist auch imSteuerwesen auf die Ausbildung der indirekten Steuernhin. Denn ebenso wie mit den Vorteilen geht es mit denLasten. Die Interessengruppen der Wenigen und Begütertenkönnen sehr gut nachrechnen, was man ihueu mit indirektenSteuern nimmt, die Vielen und Kleinen können es nicht.Sie erkennen und messen nur das, was man ihnen direkt,in Geld ausgedrückt, als Last auferlegt, und sind darumnur bei dieser Art der Belastung im stände, vergleichendeBetrachtungen anzustellen. Die biegsamen Theorien vonder Überwälzung der Steuern geben überdies einen uner-schöpflichen Vorrat von dialektischen Rezepten, um jedem zubeweisen, daß er die seinigen nicht trägt.
Die Kunst der Bevorzugung Aller gegen Alle bestehtmit einem Wort in dem Geheimnis: Wenigen berechenbarewirkliche Vorteile und Vielen unberechenbare eingebildeteVorteile zuzuwenden, ebenso Wenigen berechenbare geringeLasten und Vielen unberechenbare große Lasten aufzuerlegen.
Wie alle innerlich unwahren Systeme kommt auch diesesnicht aus ohne zweierlei Maß und Gewicht. So lange essich um die Maßregeln zum Vorteile der wirklich Begünstigten