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Schließlich schlägt die Stunde, da erscheint der steinerneGast, ergreift die dargebotene Hand und reißt den kühnenGastgeber nieder. Wer will leugnen, daß der Sozialismusheute eine dämonische Macht ist, wer will sich erkühnen, zubehaupten, daß aus einer seit Jahrzehnten allüberall somächtig anwachsenden Bewegung nicht Znkunftsgestalningeu,gute oder böse, sich herausbilden könnten! Der Witz derIdee bedient sich bekanntlich der wunderbarsten Wege, umdie Menschheit mit seinen Einfällen zu überraschen. Geradedie, welche um des Glaubeus oder um der Staatsautoritätwillen sich für die geschworenen Feinde der Sozialdemokratiehalten, sind vielleicht ausersehen, ihr den Weg zu ebenen.Als man dem großen Napoleon nachrühmte, er habe derHydra der Revolution den Kopf zertreten, meinte einegeistreiche Iran, er sei in Wahrheit ein Robespierre zuPferde gewesen.
Das Bürgertum ist in der Welt kaum seit hundertIahren eine Macht geworden. Es muß sich erst nochzeigen, ob eiue Gesamtheit, die ihrer Natur uach aufdie individuelle Bethätigung friedlicher Kräfte angewiesenist, sich dazu eignet, dauernd im Besitz ihrer Machtstellungzu bleiben; ob die Verteidigungswerkzeuge, welche ihr zumSieg über den Feudalismus verhalsen, stark genug sind,um zu widerstehen, wenn der kaum zurückgedrängte alteFeind im Bunde mit einem neuen zum Sturm anrückt; esmuß sich erst noch zeigen, ob das Bürgertum seinem Bernsgewachsen ist, die friedliche Entwicklung der humanen Kulturgegenüber gewaltsamen Angriffen zu schützen, welche dieWeltbeglückuug nach alten überlebten uud zugleich nach neuenPhantastischen Ideen in Angriff nehmen.
So weit es dem mitten in der Zeit stehenden möglichist, deren Strom und Richtung zu beurteilen, ist das rechteigentlich das A und O, um welches sich die Geschicke der
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