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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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genommen werden soll, schlägt Plötzlich, wie das zu einemguten Roman von Alexander Dumas gehört, die tiefsteVerzweiflung in die hellste Lust über. Denn sein hoherProtektor im Reichstag, der ultramontane Graf Galen,überrascht ihu am frühen Morgen des für die dritte Lesungbestimmten Tages mit der Himmelskunde, daß sein Ver-langen von einer guten Brüderschaft zollfreundlicher Mit-glieder in die Vorschläge dritter Lesung aufgeuommeu uudalles fo wohl abgekartet ist, daß an ein Mißlingen dieseskühnen Handstreiches nicht zu denken. So ermutigt ent-schließt sich unser Mann deshalb auch, alles auf diese eineKarte zu setzen und jeden noch so billigen Vermittlungs-vorschlag, welcher ihm sowohl von Mitgliedern des Bundes-rats wie des Reichstags gemacht wird, abzuweisen. Ver-geblich stellen sie ihm vor, es sei doch ein gar zu riesigerSprung für ein sehr einfaches Fabrikat, das bis jetzt zoll-frei gewesen, eiueu Zoll von 30 Mark zu verlangen, uuddie Klugheit erfordere, sich mit der Hälfte zu begnügen.Unser Macchiavelli, mit seiner wohlverbrieften Zusage derdamals noch nichtfreie wirtschaftliche Vereinigung" ge-tauften Verbrüderung in der Tasche, erklärt sich heldenhaftfür das Alles oder Nichts. Wie 1870 Jules Favre keinenStein oder Fußbreit Erde hergeben wollte, so ruft er ans,daß er mit den 30 Mark pro 100 KZstehe oder falle".Und nnn folgt die herzbewegende Schilderung der großenZollschlacht am vorletzten Tage dritter Lesung, an jenemdenkwürdigen 11. Juli 1879, dem ebenbürtigen Vorgängerdes 13. Mai 1885. Auch damals wütete das Zvllschwertvon 10 Uhr morgens bis tief in die Nacht; auch damalsgab es keinen Pardon für Jeden, der sich einem hohen,höheren oder höchsten Zoll in den Weg werfen wollte. Auchdamals wurde, wie jüngst, Jedem das Wort abgeschnitten,der noch etwas aus den Krallen des Zvllvampyrs zu retten