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suchte. Als eine besondere Gunst des Himmels schildertder Erzähler, wie gerade sein Patron während seiner Redevon der Gegenwart des Reichskanzlers beglückt wurde, daer in kurzen, schlagenden Worten die erhebende Forderungder 30 Mark vortrug, und wie klug es angefangen war,daß auf Antrag des Herrn von Mirbach, nachdem seinRedner gesprochen, dem Redner der Gegenpartei das Wortdurch einen Schlußautrag abgeschnitten wurde, da sonstdoch noch ein Argument hätte schädlich wirken können. Mitder Genanigkeit eines Schlachtenbülletins wird dann be-richtet, wie Punkt 96/4 Uhr in später Abendstunde der ent-scheidende Schlag fiel, durch welchen die 30 Mark zu ihremunsterblichen Sieg geführt wurden.
Die Geschichte dieses Feldzuges, die man in allenihren Einzelheiten nachlesen muß, um sie nach Verdienst zuwürdigen, wäre unvollständig, wenn nicht auch die Kriegs-kosteurechnung beigefügt wäre, unter welchen beispielsweisemehr als 150 Mark an Trinkgeldern figurieren, welche „imReichstagsgebäude an die zahlreiche Dienerschaft im wohl-verstandenen Interesse unserer Sache" verteilt wurden.
Und nun noch zum Schluß wie bei jeder guten Er-zählung erhalten wir auch „die Moral von der Geschicht".Während der mehrmals wieder aufgenommenen Debatten imReichstag hatten die Gegner dieses Zollverlangens nach-drücklich darauf hingewiesen, daß der Niedergang der Kork-stopfenpreise von der Wirkung einer übertriebenen Kon-kurrenz herrühre, welche nicht von außen hereindränge, son-dern welche die inländischen Fabrikanten sich erbarmungslosselbst untereinander bereiteten. Natürlich hatte ihr Ver-treter, der würdige Graf Galen, diesen Einwand auf dasEntschiedenste zurückgewiesen. Aber in einer letzten ver-traulichen Unterredung, die er mit dem tapferen Anführerder Korkfabrikanten unter vier Augen hat, kommt dem