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frommen Herrn nachträglich der Gedanke, daß es mit dieserinneren gegenseitigen Unterbietung doch seine Richtigkeithaben könne, und er ermahnt jetzt, nachdem der weltlicheErfolg draußen errungen worden ist, den mit der Beuteheimkehrenden Feldhauptmann, daß er nunmehr auch denSeinen die wirkliche Wahrheit ernstlich zu Gemüte führenmöge, daß sie „dieses gute Resultat zu einem bleibendenzu machen, sich als die Söhne eines Vaterlandes zu be-trachten, sich aneinander anschließen und die seither durch-laufene Bahn einer rücksichtslosen und grundsatzlosen, selbst-mörderischen Preiskonkurrenz verlassen mögen." So wirdzu guterletzt aus dem Jntriguenspiel noch ein erhebendesRührstück. Die Moral nämlich lautet: Nun ihr die Kon-kurrenz des Auslandes los geworden seid, thut ench hübschzusammen, diesen Vorteil an euren Mitbürgern durch einewohlgefestigte Preiskoalition auszubeuten.
Indem ich solcherweise den Gang dieser Geschichtezur Vorbereitung des Lesers kurz und treu skizziert habe,will ich sofort hinzusetzen, daß ihr Held, wie sich späterherausgestellt hat, besonders dazu geartet war, die demorali-sierenden Wirkungen einer solchen legislatorischen Praxisauf sich einwirken zu lassen. Der geriebene und energischeMann hat jedoch für sein Geschäft und seine Gewerbs-genossen nnr das gethan, worauf der Grundzug des herr-schenden wirtschaftlichen Systems alle Deutschen still-schweigend und ausdrücklich hinweist: nicht von eigener ge-werblicher Thätigkeit, nicht vou Verbesserung ihrer Leistungen,nicht von dem Vorteil, den sie dem Publikum anzubietenhaben, sollen sie in erster Linie ihren Gewinn erwarten,sondern von der Gunst und den Privilegien, welche siedurch die Dazwischenkamst der Regierung und des Gesetzessich verschaffen könueu. Hier ein Zoll, da ein Zunft-Privilegium, dort eine Subvention u. f. w. Der Wett-
Ludwig Bambergcrs Ges. Schriften. V. lg