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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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führlichen Beratung ankommt. Das allein Wichtige undEntscheidende ist das EinHauen am letzten Tage, und nochbesser, in der letzten Nacht der dritten Lesung, wenn, ohneDebatte, auf vorausgegebene Signale ein Zoll nach demandern in strammer Disziplin von einer bei verschlossenenThüren vorans einexerzierten Mehrheit aufgepflanzt wird.

Zum richtigen Verständnis der hier geschilderten Vor-gänge müssen noch ein Paar Worte über die Materie, dieihnen zugrunde liegt, beigefügt werden. Das Korkholz,welches hauptsächlich aus Spanien, Portugal und Algier herrührt, giug ebenso wie das daraus verarbeitete Fabrikat,die Stopfen, seit dem Jahre 1870 zollfrei in Deutschland ein, und zwar war die betreffende gesetzliche Bestimmungohne jede Initiative irgend einer freihändlerischen Parteiaus freiem Entschluß der Verbündeten Negierungen herbei-geführt worden. Ihr Vorschlag wurde damit motiviert,daß es rationell sei, ein für so viele industrielle Zwecke desinneren Verbrauchs wie der Ausfuhr bestimmtes Objekt uichtdurch einen Zoll zu verteuern, um so weniger, als die Ver-arbeitung selbst nur eine sehr einfache sei (Verhandlungendes Zollparlameuts von 1870). In dem Entwurf des Zoll-tarifs von 1879, welcher das neue Prinzip aufstellte, daßmit seltenen Ausnahmen jede Ware verzollt werden müsse,war ein Satz von 10 Mark vorgeschlagen. Diesen für diefertigen Stopfen auf 30 Mark zu erhöhen, war das, wiewir gesehen haben, sieggekrönte Verlangen von 30 deutschenFabrikanten, gegen welches mehr als 500 andere deutscheGewerbtreibende im Interesse ihrer Industrie vergeblich pro-testiert hatten. Zur Charakteristik der Geschicklichkeit, mitwelcher das kleine Heer des Herrn Dittmar geführt wurde,gehört auch, wie wir aus der Rede des Grafen Galen er-fahren, der Geniestreich, daß nach Ablehnung des höherenZolls in zweiter Lesung die Fabrikanten den Lohn ihrer

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