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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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ja sogar Champagner, oder noch mehr Champagner alsbisher kaufen zn können.

Wie kommt es nun, daß über dies sonderbare Ver-langen der Brotesser nicht stutzig wird? Es giebt ver-schiedene Mittel, solcher Wirkung vorzubeugen. Das land-läufigste bis auf diesen Tag besteht darin, daß der, welcherdas Verlangen stellt, seinen eigenen Hunger au die Stellezu setzen, wo der Huuger des Essenden steht, niemals imeigenen Namen sprechend auftritt. Niemals wird er sageu:Mein lieber Peter, Sie sollen Ihr Brot essen, damit ich,der Paul oder, wie es in diesem Fall richtiger heißen muß,der Herr von, auf und zu Paul satter werde. Gott be-wahre! Der brave Mann spricht nie für sich. Er denktund redet immer nnr für Andere. Und wer sind dieseAnderen, denen seine Nächstenliebe zu Hilfe kommt! Wärenes Menschen, so möchte man vielleicht mit einiger Ver-wunderung gewahren, daß es gewöhnlich solche sind, diegenau dasselbe Geschäft treiben wie er. Aber wenn eshöhere Wesen sind, gar keine Menschen überhaupt, danndürfen solche Gedanken nicht aufkommen.

Daher hat sich iu dieser verkehrten Welt des Essensin andere Mägen hinein ein eigentümlicher Jargon heraus-gebildet. Weun das Koru verteuert werden soll, so ge-schieht das niemals um derjenige» Grundbesitzer willen,welche den Antrag stellen. Es geschieht auch nicht um deranderen, ihrer sämmtlichen Berussgeuosfeu willen, über-haupt keinem Menschen zu Liebe, sondern einzig und alleinfür die Landwirtschaft!

Bei diesem Wort schwindet jeder Gedanke daran, daßes sich um Mein und Dein der Mitredenden handle. Beidiesem Klang steigt vor unseren Augen das erhabene Bildeiner weiblichen Person über Lebensgröße empor, das Hauptmit einem Ährenkranz gekrönt, in der rechten Hand eine