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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Sichel, in der Linken eine Garbe, ein Füllhorn zu ihrenFüßen. Nur dieser edlen Erscheinung gilt die Entsagung,welche der Brotesser sich auserlegen soll, nur ihr soll ersein Opfer bringen. Daß die Priester, welche unter An-rufung der heiligen Landwirtschaft die Gläubigen zu Opferund Gebet auffordern, selbst das Land bewirten, ist dochnatürlich, und niemals haben die Priester das weißman etwas von den Opfern an sich genommen, welcheihren Gottheiten dargebracht wurden. Auch daß eine Gott-heit größeren Appetit hat als Menschen, versteht sich vonselbst, aber darin allerdings gleicht ihr Appetit dem derSterblichen, daß er im Essen znnimmt. Sie ist schonlange darüber hinaus, daß sie uur vom Brot satt werdenwill. Es giebt kaum eine Mahlzeit, bei der sie sich nichtzu Gaste lädt. Sie will ihren Durst löschen mit demBranntwein, den andere trinken, ihren Gaumen letzen mitdem Zncker, den andre zur Süßung gebrauchen, ja, siemöchte am liebste» ihre Schulden zahlen mit dem Geld,das andre sich erspart haben, oder was noch einfacher ist,gar nicht zahlen.

Sie csscii gern, sie trinken gern,

Sie essen und trinken und bezahlen nicht gern"

heißt es von den drei Königen aus dem Morgenland, allwozur Zeit des Königs Herodes die Landwirtschaft in hohenEhren stand.

Neuerdings hat die Sprache des Gesetzgebers noch eineweitere Ausbildung auf diesem Gebiete erfahren. Die Vor-stellung abstrakter Weiblichkeit hat durch die Häufigkeit ihresErscheinens und die bedenkliche Nähe der sie bedienendenPriester etwas an ihrer Zauberkraft eingebüßt. An ihreStelle ist etwas Neues getreten. Aus dem Luftreich derhimmlischen Erscheinungen sind wir, entsprechend dem realisti-