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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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schen Zug der Zeit, hinabgestiegen in den dunklen Schoßder Mutter Erde. Nicht mehr göttliche Wesen über Lebens-größe, sondern Knollen und Wurzeln in ihrer rührendenEinfalt wenden sich an das gute Herz des steuerzahlendenPublikums. In der Branntweindebatte trat die Kartoffelin eigener Person auf, um sich die kleine Gabe von vier-unddreißig Millionen auszukitten, in der Zuckerdebatte diebescheidene Rübe, die verlangte der Millionen nur dreißig.

Die biedere Kartoffel, dieliebe teure" Rübe, würdeder gottesfürchtige Herr von Kleist-Netzow ausrufen, unddie Führer der nationalen Partei schilderten Rübe undKartoffel in so rührenden Worten, daß man von Steinsein mußte wie ein Freisinniger, um nicht erweicht zuwerden.

Kartoffeln und Rüben, wer möchte diesen unschuldigenPflanzen etwas abschlagen? Wer wollte so niedrig sein,nachzurechnen, an wen diese Knollen und Wurzeln, die dochselbst keine Arnheims zu besitzen Pflegen, ihre vierundsechzigMillionen abgeben? Als Rebekka ihren Sohn Jakob, umihm den Segen Jsaaks zu erschleichen, in Esans Kleider ge-steckt hatte, ließ sich der blinde Patriarch, obwohl sein Ohrihm sagte, daß etwas nicht richtig sei, nach Blindennrt vonseiner Nase führen und, die Kleider beriechend, sprach er:Siehe der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch desFeldes. Darum sorgen Leute, die noch schlauer sind alsJakob , jetzt auch für diesen Geruch des Feldes, wenn sie umden Segen des blinden Hödur bitten.

Schon mehrmals ist vorgeschlagen worden, man mögedie Millionen, statt sie den Umweg über Kartoffel- uuoRübenäcker machen zu lassen, den Herren dieser Äcker direktins Hans schicken und den deutschen Brot- und Zuckeresserndann eine Liste dieses Unterstützungswerkes vorlegen. Aberdie, uur großen Herren angeborene, Bescheidenheit macht,