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sich nicht minder zu Dithyramben eignet, wie die Kartoffelnnd die Rübe. Nur um das edle Handwerk, nicht um denMeister Schuhmacher handelt es sich, wenn der Paul demPeter das Schuhmachen untersagt wissen will. Nicht sichgemeinen Nutzen will er bringen, nur den „Stand heben".Je mehr Leute mau vom Stande ausschließt, desto höherkann er hinauf, desto mehr wird er gehoben, und je mehrman andere herunterdrückt, desto leichter steigt man selbstempor.
Vor etlichen Wochen wurdeu etwa neunzig Schmiede-meister von Berlin vor die Polizei geladen und ihnen be-deutet, sie müßten entweder der Schmiede-Innung beitreteuoder binnen vierzehn Tagen ihre Lehrlinge entlassen. Sowill es das Gesetz, welches Herr Miquel zwar mißbilligt,aber verschärfen will. Die Polizei ist gewiß nicht vonselbst auf deu Gedanken dieser Vorladung gekommen, sondernnur angerufen von den Junungsschmieden. Und dieseJnnungsmeister haben dabei doch sicher keinen anderen Be-weggrund als die Sorge, daß die armen ihnen unbekanntenLehrlinge bei ihren nicht zünftigen Kollegen zu wenig lernenmöchten!
Wollten nicht auch nur ans Liebe zu den Butteresserndie Butterverkäufer die Kunstbutter so färben, daß sie denEssern zum Ekel würde? Ach, wie sie es lieben, das Kunst-butter essende Publikum, die schönen Seelen der Naturbutter-verkäufer! Und auch hier handelt es sich nicht um sie, dieleibhaftigen Butter verkaufenden Menschen, sondern nur umden tiefen, sagen wir den ethischen Gegensatz von Naturund Kunst.
Hohe heilige Natur,
Laß mich gehn auf deiner Spur!
ertönt es im Reichstag, wenn die Butter nicht gemischt,wenn der Wein nicht versüßt werden soll. Merkwürdiger-