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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Gewiß ist der erste deutsche Kaiser, abgesehen von aller per-sönlichen Besonderheit, eben als erster eine historische Figurgrößter Bedeutung. Aber der zweite Kaiser hat nicht minderals zweiter seine besondere Wichtigkeit für uns. Es gehtauch diesmal so wie oftmals, daß das hier historisch ge-nommen minder Interessante praktisch seinen eigen-tümlichen Wert hat. Damit stimmt ganz überein, was derErlaß vom 12. März in die tiefdnrchdachten Worte faßt:Die Verfassungs- und Rechtsordnungen des Reichs mWPreußens müssen vor allem in der Ehrfurcht und den Sittender Nation sich befestigen." Wahrlich so ist es. Die In-stitutionen des Reichs müssen der Nation in allen ihrenTeilen zur anderen Natur geworden sein, wenn sie ihrewahre Bestimmung erfüllen sollen. Auch uicht einmal zumZweck rednerischer Effekte werden sie von jetzt an den Deute-lungen und Anzweiflungen ausgesetzt sein. Und auch jenevon Zeit zu Zeit wieder aufgetauchten Versuche, Diese oderJene als Gegner des Monarchismus, als verkappte Republikaner bei Seite zn schieben, haben sich damit überlebt. Re-publikaner zu sein ist nichts Schlechtes, aber es kann nnterUmständen etwas Dnmmes sein, wie andererseits in derSchweiz oder in den Vereinigten Staaten Monarchist zusein etwas Dummes wäre. Unsere Konservativen verstehenunter monarchischer Gesinnung die Anhänglichkeit an einenabsoluten König, der ihren Willen thnt, während sie dasviel monarchischer als sie gesinnte England für eine Re-publik mit einem Scheinkönig erklären.

Es ist ein eigenes Ding mit dem, was man die mo-narchische Anhänglichkeit an den deutschen Kaiser nennenmüßte. Als einst einmal im Reichstag zu irgend einempolitischen Zweck an dies Gefühl appelliert ward, antworteteder schwäbische Demokrat Payer in seiner launig scharfesWeise, daß er sich durch diesen Appell in seiner Trette