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werden. Man kann nicht einmal sagen: is tsoit c-ui xi-o-cik8t, denn die breite Masse des Bürgertums, die sich dazngebrauchen läßt, wird schließlich am meisten dabei geprelltsein. Vor allem hilft die Zauberkraft, welche jede zurHerrschaft gekommene Formel über die Geister besitzt. Hataber gar eine solche Zauberformel erst einmal auf Abwegegeführt, so wächst ihre Macht in dem Maß. als sie sichvon ihrem alten Sinn entfernt nnd widersinnig wird, weil,was an Inhalt fehlt, durch Heftigkeit ersetzt wird. Diehohlsten Eiferer sind allemal die fanatischsten. Gerade diealltäglichen Erscheinungen unseres deutscheu Parteilebeusliefern eiuen interessanten Beleg zu dieser Erfahrung.
An jenem Wendepunkt der Reichspolitik, als man an-sing, das in Wahrheit zur Befriedigung gelangte Nationali-tätsbedürfnis für andere Zwecke auszubeuteu, um der natür-lichen Fortentwicklung in freiheitlicher Richtung entgegen-zutreten, begnügte man sich noch, ihm einen zwar neuen,fremdartigen, aber einen immerhin substantiellen Inhalt zugeben. „Der Schutz der nationalen Arbeit" war zwar einWechselbalg, welcher dem Programm des nationalen Staatesuntergeschoben ward, aber der Wechselbalg war doch wenigstensvon Fleisch und Bein; und der fanatische Ingrimm, mitwelchem der schutzzollnerische Nationalismus seine Gegnerverfolgte, entsprang aus gesundem Eigennutz, aus jenernatürlichen Leidenschaft, welche die Hitze der Jagd nachwahren oder vermeintlichen Vorteilen entfesselt. Die Be-wegung kam um so leichter in Fluß, als ihr der ganzeIdeen-, Phrasen- und Wortschatz zu Gebote stand, den dasfür solche Übertreibungen so eminent begabte französischeIngenium ihr fix und fertig zur Verfügung stellen konnte.In diesem vorgeblich urdeutschen Aufschwung ist von A bisZ nichts original, alles elendes Plagiat. Geborgte Kleiderund geborgte Worte von Anfang bis zn Ende.