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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
219
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Nachdem der ins Christlich - Germanische übertrageneIravail-^ational seine Schuldigkeit gethan, an Stelle einespolitischen Kulturinhaltes gemeinen Jnteressenstreit gesetztund dabei die kulturfeindliche Richtung zur Herrschaft ge-bracht hatte, wurde das wunderthätige nationale Stichwortabermals zu neuer Verwendung frei. Und von diesem Er-folg aufgemuntert warf sich Alles daraus, was nur imTrüben der Jdcenverwirrnng zu fischen erwarten durfte.Das nächtlichste Gevögel, welches einst vor dem neuen Tagdes Deutschen Reiches in dunkle Verstecke geflohen war, kamvertraulich heran und las die in der Luft herumfliegendennationalen Federn zu seiner Ausschmückung zusammen.Warum sollte es nicht Jedem gelingen, mit dem nationalenFeldgeschrei gute Geschäfte zu machen, nachdem der Mann,*)welcher dereinst die Losung:lieber französisch als preußisch!"ausgegeben, sich zum Lxiriws lainiliari« der Neichsregieruugund zum Führer des Reichstages im Kampf für den Schutzder nationalen Arbeit aufgeschwungen hatte?

Von nun an geht es unaufhaltsam weiter, und Herz,was begehrst dn? Wenn nur das Wortnational" davor-gesetzt wird, ist das Unwiderstehliche geschaffen, heiße esnun Angra Peauena, Branntweinsteuergeschenk oder Sep-tennat.

Auf die Gesamtheit dieser Erscheinungen paßt genau,was ein scharfer Beobachter menschlicher Kollektivschwächen,Benjamin Constant , also ausdrückt:So oft in der sozialenOrdnung eiu Mißbrauch eiureißt, nimmt er den Schein an,die Grundlage derselben zu bilden, denn weil er absonderlichund seiner Natur nach vereinzelt ist (trstsroAsnS st ssul6e sa natru-s), so muß, damit er sich erhalte, alles Anderesich ihm unterordnen und um ihn gruppieren, so daß Allesauf ihm ruht."

Der wnrttcmbergischc Minister von Aarnbühlcr.