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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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schienen, darunter bezeichnenderweise ein Nachdruck in derkaiserlichen Hofbuchdruckerei zu Wien .

Heute ruht die Gefahr, welche mit der Überwucherung ein-seitiger Staatstendenzen verbunden ist, vor allen Dingendarin, daß, dank dem demokratischen Grnndzug der mo-dernen Politik, die Verirrungen derselben sich in den Volks-charakter hineinsenken müsseu. Ich glaube, es ist Friedrichder Große , der einmal schreibt, daß ehemals die Krieg-führung viel weniger hart ins Volksleben eingegriffen habe,weil die Regenten mit ihren Söldnerheeren sich gewerbs-mäßig nm Landerwerb herumgeschlagen hätten, ohne daßdie Massen davon zur Leidenschaft aufgeregt wurden. Lasman das vor zwanzig Jahren, so kam man kaum auf denGedanken, daß hier etwas Beklagenswertes angedeutet wer-den sollte. Beobachtet man aber den Gang der Dinge inden letzten Jahrzehnten, so kann man darüber nachdenklichwerden.

Als die allgemeine Dienstpflicht uach preußischem Musterauf dem ganzen europäischen Festland in Zng kam, wardihr unter anderen unbestreitbaren Vorzügen nachge-rühmt, daß mit der eigenen körperlichen Teilnahme allerund insonderheit der behäbigen Klassen die allgemeineKriegsgefahr notwendig abnehmen müsfe, daß nur noch dienotwendigsten und gerechtesten Kriege in Zukuuft geführtwerden würden. Es läßt sich wohl heute schou übersehen,daß dies eine falsche Schlußfolgerung war. Die Freudeam Waffeuhaudwerk und an dessen blutiger Ausübung hatdie sonst dem friedlichen Beruf Ergebenen ebenso und beinahe uoch mehr erfaßt als die Soldaten von Fach, undder rnilö5 Zioi-iosu?! würde heute nicht in Gestalt einesLandsknechtes, sondern etwa eines Gymnasiallehrers auf dieBühne zu bringen sein.

Auch mit diesem neuen Geist hängt es natürlich zu-