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vpfert werden könnte. Haben doch sogar in den Einzel-staaten sich bereits die Forderungen geregt, die sächsische,die bayerische Arbeit vor der „fremden" zu bevorzugen. Garnicht mehr soweit sind wir von der Auffassung entfernt,welche z. B. im Jahre 1834 bei Gründung der bayerischenBank in der Münchener Ständekammer zum Ausdruck kam i„die bayerische Nationalehre verlange, daß kein Ausländerins Direktorium kommen dürfte."*)
Zeitströmungen sind ihrer Natur nach einseitig undvorübergehend. Auch dieser „Paroxismns" wird vorüber-gehen. Die Frage ist nur, wieviel Unheil er vorher an-richten wird, nicht bloß in den äußeren Zuständen, sondernin der Geistesverfassung der Menschheit.
Was wir jetzt erleben, ist zum Teil ein Rückschlaggegen den gewaltigen Impuls, welchen die moderne Technikzum Ineinanderfließen aller irdischen Kräfte gegeben hat.Die Schranken nach Außen und nach Innen, welche ehe-mals die Völker untereinander und in sich selbst trennten,fallen vor der Allgewalt der neuen Mechanik, und was einstnatürlicher Zustand war, wird Barbarei, wie Sklaverei,Lehnswesen und Adelsherrschaft es geworden sind. Aberdas alte besiegte Element wehrt sich immer eine Zeit lauggegen das neue siegreich vordringende, und wenn es dasGlück hat, seine anachronistischen Forderungen in mächtigenPersönlichkeiten zu verkörpern, so gewinnt es eine kurzeWeile den Anschein, die Umkehr sei eine definitive. DieFigur des genialen Kaisers Julian kehrt des öftern in derWeltgeschichte wieder, wenigstens in einzelnen Zügen. DieUmkehr zum Welt-Schntzzollkrieg ist ein Rückschlag gegendie Erfindung der Eisenbahnen und des Telegraphen; aberEisenbahn und Telegraph werden den Schutzzoll besiegen
*) Wnlthcr Loh- Geschichte der deutschen Notenbanken.