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fang an widersprachen nnd noch heute nicht bekehrt sind;besonders diejenigen, welche verlangen, eine Reichsbank müsseallen denen Kredit geben, welche das Geborgte nicht zurück-bezahlen können; oder die, welche meinen, Papier sei derStein der Weisen, mit dem man so viel Geld machen könne,daß allen Schmerzen abgeholfen werde. Das ist eine be-kannte stereotype Form des volkswirtschaftlichen Irrsinns,die Jahr aus Jahr ein mit Vorschlägen kommt, Assignateauf Grund aller vorhandenen und nicht vorhandenen Dinge,namentlich in Repräsentation von Grund und Boden aus-zugeben.
Ernsterer Natur dagegen ist ein oft gehörter Einwand,den ich selbst zu Zeiten in Erinnerung gebracht habe. Nämlich, daß die Feuerprobe einer großen Krise noch nicht überdie Reichsbank hingegangen sei. Das ist gewiß richtig,denn als sie ins Leben trat, war die Überspannung desUnternehmungsgeistes, die auf die Kriegszeit folgte, bereitsin starkem Maße zur Erschlaffung geworden.
Aber wenn man diesem Einwand sein Recht nicht be-streikn will, so darf dagegen eine andere Betrachtung wohlin die Wagschale gelegt werden. Es ist nämlich eine be-merkenswerte Thatsache, daß im Laufe von fünfzehn Jahrenkeinerlei heftige Krise eingetreten ist, ja auch nicht einmaletwas, was einer solchen ähnlich sähe. Das ist eineSeltenheit in der Geschichte der Krisen. Sollten wir hiernicht mit einer Erscheinung zu rechnen haben, die andererals zufälliger Natur ist? Man wird wohl sagen dürfen,daß in ihr die Wirkung zweier Momente zusammengetroffenist, eines besonderen und eines allgemeinen; das besonderedarin bestehend, daß die Reichsbank ihrer Anlage gemäßund in Folge einer umsichtigen, dieser Grundanlage folgendenLeitung das Ihrige dazu beigetragen hat, den Gang desdeutscheu Geschäftes, so weit es von ihr abhing, in rnhigen,