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derjenige ist, welcher der Reichsgesetzgebung sein Geprägerecht eigentlich aufgedrückt hat. In der gesamten wirt-schaftlichen Bewegung haben dieselben königlich sächsischenKleinstaatler und Zünftler, welche von Anfang an der Bil-dung eines einigen Deutschen Reiches mit der schärfstenAbneigung und Widerspenstigkeit gegenüber gestanden, dieFührung überuommen. Sie haben mit Hilfe der übrigenreaktionären und Partikularistischen Elemente des Reichs-tags die Übermacht selbst über die Reichsregierung erlangt,diese zu bedeutenden Konzessionen gezwungen und mit un-ermüdlicher Begehrlichkeit in die Enge getrieben. Daß wirnoch nicht das Zunftwesen in seiner ganzen Tragikomikwieder hergestellt haben, ist nur der Aufgeklärtheit derReichsregierung, nicht der Einsicht der jetzigen Reichstags-mehrheit zu verdanken. Persönlichkeiten, welche vor zwanzigund fünfzehn Jahren noch mit verwunderten Augen alsdie grotesken Vertreter des kleinstaatlichen Zopfgeistes an-gesehen wurden, beherrschen zur Zeit die Situation. Undbesonders mit ihrer Hilse, mit ihrer begeisterten Hilfe wirddie große Sozialreform ins Leben gerufen. Aus der Mittedieser Landsmannschaft hört der erstaunte Reichstag dieErklärung, daß die Vorlage der Alters- und Invaliden-Versicherung ein tadelloses Meisterwerk sei. Der Grund,warum dieser sächsisch-kleinstaatliche Zunft- und Souder-geist jetzt iu den vordersten Reihen als reichstreu paradiert,ist leicht gefunden. Er unterwirft sich dem Reiche, weil erauf dessen Zinnen seine Fahne aufgepflanzt, demselben seinenGeist eingehaucht hat.
III.
Alles, wie es bisher geschildert worden, ist ganz folge-richtig zustande gekommen. Die Staatsklugheit, welche sich