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Minister, der nicht vor dem Gedanken zurückschreckt, daSMißfallen des Kanzlers auf sich zu ziehen und der sichdarüber tauscht, daß ein solches Mißfallen unfehlbar seinenSturz uach sich ziehen würde. Ein solches Abhüngigkeits-vcrhältnis ist natürlich nur möglich geworden durch diehohe imponierende Autorität, mit welcher sich der Kanzlerdas Vertrauen und die Verehrung der einzelnen Landes-häupter erworben hat. Die geheime Geschichte der 99 Tage,das Vorgehen der Höfe zu Gunsten des Kanzlers in derBattenberg-Episode, bezeichnet den Höhepunkt dieses Ver-hältnisses. Dies alles ist um so besser geglückt, als an demExperiment der Geist der Bevölkerung mit seinen parti-knlaristischen und dynastischen Neigungen willig mitgearbeitethat. Der merkwürdige Scharfblick, mit welchem der Kanzlerdie Stellen erkennt, an denen die Hebel zur Bewegung derMassen am besten einsetzen, ist ihm auch hier zu Hilfe ge-kommen; und sein nüchternes llrteil, welchem die deutscheEinheit, befreit von aller Romantik, lediglich als ein kom-paktes Verteidiguugs- und Wirtschaftsinstrument in der Handder preußischen Monarchie erschieu, traf zusammeu mitseiueu alten feudalen Gefühlen, mit seiner Antipathie gegenAlles, was an Ideologie der Sturm- und Drangreminis-zeuzen früherer Beweguugeu gemahnen konnte. Die Zuge-ständnisse der Separatrechte an Bayern und Württembergkosteten ihn 1870 keine Überwindung, und er verschmähtedie naheliegende Möglichkeit, kleinste Bundesstaateu wieWaldeck, das sich dazu anbot, zu mediatisieren. Je kleinerdie Herrschaft, desto besser fügt sie sich als dienendes Gliedin der Kette, mit welcher das Ganze zusammen gehaltenund geführt wird.
Empfahl solcherweise die politische Berechnung, demPartikularismus zu Hilfe zu kommen, indem die Negieruugeuzugleich einerseits in der Furcht vor der Zentralleitung er-