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halten wurden, und sie andererseits in deren Schutz die besteGarantie ihrer Fortdauer gewahrten, so ward dadurch zu-gleich der den meisten Deutschen zur anderen Natur ge-wordene Geist landschaftlicher Absonderung wieder erwecktund gefördert. Er ist heut viel stärker als er vor zwanzigJahren war. Ja, wenn heute die ehemaligen Landesvätervon Hannover , Knrhesseu und Nassau auf dem WegeRechtens zu Bundesfürsten des Reichs gemacht und in ihreResidenzen zurückgesührt würden, der Jubel der ehemaligengetreuen Unterthanen wurde trotz aller Drangsale, welchedieselben einst zu erdulden gehabt, gerade so groß sein, wiejüngst bei der achthundertjährigeu Gedenkfeier der loyalenSachsen oder bei dem Einzug des Herzogs in Luxemburg.
Die Fehler selbst der herrschenden Zentralgewalt kommenihr in ihrer partiknlaristischen Tendenz zu Paß. Nachdemder harte und schroffe Geist, welcher dem Preußentum seinenbösen Namen in der Welt und in Deutschland gemacht hat,bald da, bald dort wieder sich zu erkennen giebt, darf mansich schließlich nicht wundern, wenn auch ein frommer Ein-heitsenthusiast zur Zeit lieber beispielsweise Badenser oderBayer bleibt, als durch einen Preußischen Landrat undMinister regiert zu werden. Es läßt sich nicht leugnen,daß in diesen kleineren Staaten ein gerechterer und mensch-lich milderer Geist waltet als im heutigen Preußen , einUmstand, der seinerseits wieder dazu beiträgt, daß derEnthusiasmus für die gegenwärtige Reichsregiernng in denliberaler regierten Staaten am stärksten ist. Denn sie kommenmit dem jetzigen preußischen Negierungsgeist, der in ihr steckt,nur in mittelbare Berührung.
Unter allen diesen Einflüssen ist der politische Sinn,der in Deutschland nie übermäßig entwickelt war, wiederherabgekommen. Das Hochgefühl, nicht bloß mit dem Gesicht,das sich nach außen kehrt, sondern anch mit dem eigenen