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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Jnnenwesen einer großen Gemeinschaft anzugehören, wieandere große Völker, die in einem wahren Staat mit einemzentralen Resonanzboden ihren eigenen Willen zur Aus-führung bringen und ihre eigene Stimme hören, hat sichnach einem kurzen Aufschwung wieder in die Rinnsale derKleinstaaterei verlaufen; selbst das gemeinsame deutsche Reichsbürgertum ist bedroht in den Bemühungen gegen dieFreizügigkeit, die mit den Zuuftbeschränknngen außerordent-lich gut zusammenstimmen.

Einem Volke, das sich im Besitz seiner selbst fühlt,wird der Übergang aus einem Wirtschaftsleben der freienEllbogen zu einem System der allmächtigen Staatseingriffeimmer schwer werden. Es wird sich, wie die Engländer,auch trotz aller entgegengesetzten Zeitströmungen mannhaftdagegen wehren und um jedes Zugeständnis feilschen. GegenEnde der sechziger und zu Aufang der siebziger Jahre, alsdas deutsche Volk sich im Aufschwung des Werdens zu einergroßeu sich selbst hörenden uud führenden, mit Überwindungalles Kleinen auf einen Mittelpunkt hin drängenden Nationfühlte, feierte auch der Geist der individuellen Freiheit einFest der Auferstehung, und die Reichsregierung huldigtesystematisch deu Grundsätzen, die zur Schaffung eines Reichs-bürgerrechts, der Freizügigkeit, des Koalitiousrechtes der Ar-beiter, der Handels- uud Gewerbefreiheit hindräugteu. Seit-dem das Ansehe» des Reichstages untergraben, die Zersetzungder liberalen Partei betrieben, die Partikularistische Strö-mung ansgemuntert, der Schwerpunkt der Einheit in dieDynastieen verlegt ist, sind Schutzzoll und Beschränkungder inneren wirtschaftlichen Freiheit emporgekommen. Beidevereint haben die Versuchung zn staatssozialistischen Experimenten besonders nahe gerückt.

Wenn ein Volk vom Gesetze seiner wirtschaftlichenFreiheit beraubt wird, verspricht man ihm natürlich Ersatz