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hängigkeit getreten ist. Der Bürgersinn selbst ist aufge-gangen in die Anbetung der Staatsmacht, von deren Ab-glanz nach Außen und Innen alles andere leben muß.So erbaut sich auch der StaatssozialiSmus bereits an demHochgefühl, daß das Deutsche Reich, alleu Völkern zur Be-schämung nnd Belehrung, den Stein der Weisen in seineuVersorgungs- und Versicherungsgesetzen gesunden habe. Bisjetzt fehlt es übrigens noch an jeglichem Zeichen, daß dieseangebliche Bewunderung auch die Lust zur Nachahmunganderwärts erweckt habe.
Der Stolz aus die äußere Machtstellung Deutschlands ist allerdings der am besten begründete Teil des herrschen-den Bewußtseins; und wenn nicht alles darin auf philo-sophischer Würdigung des Völkerglückes beruht, so hat über-haupt die Philosophie in dem Verhalten der Nationen nichtszu suchen. Die anderen Nationen haben uns darin nichtsvorzuwerfen. Den Deutschen aber, welche so lange in un-natürlicher Ohnmacht darniederlagen, wäre es, wenn eSeiner Entschuldigung bedürfte, wahrlich zu verzeihe«, daßsie iu dem neu nnd so gründlich befriedigten Selbstgefühlschwelgen. Hier ist auch, und ans mehr als einem Grunde,die Lösung des Rätsels zn suchen, warum die Anziehungs-kraft der Staatsgewalt und in gewissem Sinne des Ge-waltsstaates so sehr Macht über die Geister gewonnen hat,daß das Verständnis für die individuelle Freiheit im Lebenund Streben, ja sogar im Denken nnd Urteilen abhandengekommen ist. Der Sonne dieser Staatsmacht, welche voneiner der letzten zur ersten geworden ist, und in deren Ab-glanz der Einzelne zu Hause uud in der Welt draußen sichneu beglückt spiegelt, wird willig alles dargebracht, wasaußer ihr zum Lebeusglück gehört; von ihr soll alles zurück-gegeben und neu geboren werden. Die Personifikationdieser Staatsmacht ist der Schöpfer des deutschen Reichs;