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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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den Jugend denen folgt, welche von ihrem ehemals libe-ralen Teutonismus sich bis in das Lager der frömmstenund finstersten Ultras hinein verloren haben, weit hinausüber die Grenze offizieller Inspiration. Ganz neuerdingsist als weiteres Symptom aus militärischen Kreisen derAnspruch erhoben worden, die Popularität des Heerwesenszur Wiederherstellung oder richtiger zur Neubefesti-gung des aristokratischen Charakters des Offizierskorps zuverwerten. Der Erwerb, welcher das Offizierskorps er-nähren muß, soll von diesem als gemeiner Beruf verachtetwerden. Ganz konsequent allerdings.

Was im Lauf der Zeiten aus diesem sich eben vorbe-reitenden Zwiespalt zwischen der rein autoritären Staats-allmacht und den sich von ihr emanzipierenden rein reaktio-nären Richtungen werden soll, liegt im Dunkel der Zu-kunft verborgen. Wenn man wählen müßte, die Wahlzwischen beiden wäre schwer zu treffen. Denn wenn gegen-wärtig noch die mit Klugheit und Sättigung geleitete Au-torität dem Fanatismus schlechthin reaktionärer Strebereivorzuziehen ist, so darf nicht übersehen werden, daß aufjene jetzt noch vorzuziehende Autorität in direkter Nachfolgeein Epigonentum kommen würde, welches von der ererbtenWeisheit nur die gröberen Handgriffe einer nichts wenigerals evangelischen Methode in sich aufgenommen zu habenscheint. Was aber da auch komme, die Mechanisierung derGeister und der Glaube an die Kraft des Mechanismuswürde allen falschen Autoritäten einen erklecklichen Vorsprunggebeu. Der Staatssozialismus hat nicht umsonst sich dieGunst erobert, die ihn jetzt auf seiner Höhe erhält. Ab-gesehen von der Zauberkraft, die er mit seinen Wohlfahrts-verheißungen auf die Köpfe ausübt, schlägt er die Gesell-schaft iu immer festere Bande und setzt die sozialistischen Stichwörter so in gesetzlichen Umlauf, daß jede Rückkehr

Ludwig Bamlicr-n-rS Ges Schriften, V. lg»