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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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zur freien Bewegung erschwert, das rasche Vordringen zuwirklich sozialistischen Experimenten der Versuchung nahegerückt erscheint. Die beste und zugleich die schlechtesteRechtfertigung für die endlose Verlängerung der Ausnahme-gesetze liegt in dem Nimbus, welchen die Staatsautoritätselbst um den sozialistischen Gedanken verbreitet hat. DerStaatssozialismus , der sich zwar theoretisch als ein Ganzesgiebt, aber in der Ausführung natürlich noch nicht einmalbis zur Halbheit zu kommen gedenkt, kann sich nur alssoziales Regierungsmonopol halten, schließt die Mitarbeiteines freien Volkes aus und wird daher den Freiheitssinnder besitzenden Klassen immer mehr untergraben. Unterdem Banne des sozialistischen Bekenntnisses, aus dem siesich nicht erlösen können, wird ihnen ganz natürlich dieFreiheit der Bewegung, wegen ihrer Konsequenzen, gefähr-lich. Daher sehen wir die Freiheit überhaupt schou jetztals ein Gut augezweifelt, zurückgesetzt, uoch nicht ganz mitWorten verleugnet, aber bereits ganz mit dem Herzen.

Es geht mit der Freiheit wie mit dem Glauben undmit der Liebe. Wer erst anfängt, über die Ursachen undden Vorteil zu reflektieren, dem ist sie bereits dahin. Wennsie schon, anch nur schlechthin utilitarisch gedacht, ein Gutvom höchsten Wert ist, wird sie doch nie da festsitzen, wosie nicht um ihrer selbst willen als das edelste Besitztumgeschätzt und geliebt wird, als der einzige wahre Adelmenschlichen Wesens. Der Verstand hält nichts fest, wasnicht in der Empfindung wurzelt. Der Sozialismus istder Freiheit größter Feind, »nd der Staatssvzialismnsunseres feudalmilitürischeu deutschen Staates ist ihr aller-größter. Er greift sie von oben und von nnten zugleichan, zwingt znr Gewaltregierung von oben und vernichtetden besten schöpferischen Trieb im Individuum.

Nicht einen Tag könnte die Menschheit existieren ohne

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