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um unsere gegenseitige Entrüstung zu erwecken, nicht ab-sichtlich geschah, sondern gewissen Mißverständnissen undIrrtümern zur Last gelegt werden muß?" Meine Antwortdarauf ist folgende: Die Presse unseres Landes zieht einenguten Teil ihrer Macht und ihres Einflusses, welche sieüber ihre eigenen Landsleute ausübt, aus dem Werte,welcher in der Fremde ihr beigelegt wird, und ihre Wichtig-keit zu Hause kennzeichnet ihren praktischen Wert durch dieReaktion, welche sie auf die Nerven der fremden Presse aus-übt. Ich habe wahrgenommen, daß solche Organe, welchees für ihre verdienstvollste Aufgabe halten, den Nachbaran den Ohren zu zausen, es zu ihrem Geschäft machen, infremden Zeitungen alle Aeußerungen aufzutreiben, welcheberechnet sind, zu Hause böses Blut zu macheu, undwährend sie bewußt oder unbewußt ihre Leser über dieWertlosigkeit des Winkelblattes, aus dem sie schöpfen, imDunklen lasfen, thun sie ihr Bestes, alle internationalenMißverständnisse und Verstimmungen zu fördern. Es istmir öfter begegnet, daß ein Fremder mich aufforderte, Redezu stehen wegen einer Schrift oder eines Zeitungsartikels,als wären sie eine Manifestation der deutschen Meinung,während kein vernünftiger Mensch im deutschen Reicheetwas davon wußte, noch gar davon Notiz genommen hatte.Irgend ein Lumpensammler hatte die Notiz aus der Gossegezogen und sie in feurigen, weithin sichtbaren Buchstabenvor die Augen fremder Länder gerückt. Ebenso geschiehtes bei uns. Hunderte von Federn arbeiten Jahr aus Jahr ein,um solchen Unrat auszubreiten.
Hier vielleicht mag etwas geschehen können — ich sage:etwas; denn Großes wird nie gemacht, es kommt, manweiß nicht wie, und darum ist es unwiderstehlich.