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Häuptern schwebte und sie deshalb zu ähnlichen Anstren-gungen führte. Die Kunst, das, was man zu sagen hat,mit der äußersten Vorsicht auszusprechen, ohne ihm dochdie Spitze abzubrechen, hilft zu einer Verbesserung des Stilsund zu einer Verfeinerung des Gedankens. Es ist aller-dings eine Art von sklavischer Kunst, aber es ist eine Kunst;und Nachlässigkeit im Stil war so lange einer der Grund-fehler des deutschen Journalismus, daß man selbst in solchen:Zwange zur Besserung einen zwar unwillkommenen, aberwirksamen Sporn erblicken kann.
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Klagen über die Ausschreitungen der Presse gehendurch die ganze Welt. Da in Deutschland nur die Blätterder Regierung volle Freiheit genießen, so ist die Vermutungnicht unbegründet, daß die Klagen wegen Mißhandlung undVerdächtigung des Gegners sich am meisten gegen sie richtenmuß; aber allerdings schleudert man sich allerorts und mitderselben Stärke der Überzeugung solche Vorwürfe zu. Jemehr das Wahlrecht in einem Lande sich ausdehnt, destostärker drängt aller politische Streit in letzter Instanz aufWahlstreitigkeiten hin, und wo das allgemeine Stimmrechtherrscht, ist die Polemik der Zeitungen auch am meisten ge-neigt, in wilden Kampf auszuarten, und andererseits: jemehr die Presse lokal beschränkt ist, desto gehässiger wirdsie in ihrem Faustkampf werden. Es giebt in jeder Parteivon den äußersten Konservativen bis zu den äußerstenRadikalen Leute, die aus gewissem Instinkt heraus alle ihreAnstrengungen darauf richten, die gebildeteren und fein-fühligeren Naturen von der aktiven Politik abzuschrecken,
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