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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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sodaß das Feld frei bleibt für die mehr abgehärteten Kämpe».Das beste Mittel, um diesen Zweck zu erreichen, bestehtdarin, unerwünschte Kandidaten in der öffentlichen Pressemit den gröbsten Verleumdungen anzugreifen. In dieserWeise kommt es dazu, daß nur die, welche dickfellig sind,oder die, welche durch irgend einen besonderen von ihnenverfolgten Zweck von vornherein unverwundbar sein wollen,von der Wahlbewerbung nicht abgeschreckt werden. Die-jenigen Länder, wo das Wahlrecht weit ausgedehnt ist, auch England , wenn ich recht unterrichtet bin sindgenötigt, anzuerkennen, daß das Niveau der Volksvertretungheutzutage ein niedrigeres ist als ehemals. Die Zeiten derRuhe sind vorüber, in welchen ein hoher Grad von Bered-samkeit, gute Manieren gegen alle Welt und hohe Bildungeine Zierde der Parlamente waren und ihren Mitgliederneine Ausnahmestellung in der Gesellschaft verbürgten. Wahr-scheinlich haben die nimmer ruhenden Preßfehden der ge-schilderten Art ein gutes Anteil an diesem Zustand derDinge. Es giebt aber noch andere Gründe, die ebenfallsdazu beitragen. Die Vervollkommnung der technischen Seitedes Lebens wird immer mehr einer der Haupthebel an derFörderung des öffentlichen Wohls und drückt die entscheidendeMacht politischer Systeme und konstitutioneller Formen herab,und die Folge davon ist, daß Menschen, welche sich imBesitz großer Energie und Geschicklichkeit fühlen, wenigerNeigung empfinden, sich der politischen Laufbahn zu widmen.Darum sehen wir in den gebildeten Kreisen eine wachsendeAbnahme der Neigung, sich an politischen Kämpfen zu be-teiligen. Nur in einem Punkte sind sie noch erregbar durchdas Interesse an der Politik, nämlich wenn es sich darumhandelt, den Frieden zu erhalten, damit nicht heftige Störungendie Grundlage des Staates erschüttern. Bei dieser Ab-stumpfung des öffentlichen Geistes ist, wie man sich leicht