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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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keiten, die in letzter Zeit eingesetzt haben, und wenn dieKenntnis fremder Angelegenheiten dazu benützt wird, deninneren Streit noch mehr zu nähren, so entspringt mehrSchaden als Nutzen aus der Beschäftigung mit den An-gelegenheiten fremder Länder, weil dadurch größere Irr-tümer und Entstellungen zusammengehäuft werden, als wenndie Nationen sich nur mit ihrer eigenen Politik beschäftigen.Da die Deutschen eifriger in der Erkundung fremder Ländersind als andere Völker, so setzen sich bei ihnen auch falscheEindrücke, zu denen sie einmal gekommen sind, mehr undnachhaltiger fest. Das lebhafte Interesse, welches die Deut-schen aller Klassen selbst in den breitesten Schichten desVolkes an den Angelegenheiten anderer Nationen nehmen,ist zum Teil die Nachwirkung ihres ehemaligen, langen Po-litischen Niederganges, während dessen sie ihren Sinn fürdergleichen nur an der Erfahrung höher entwickelter Staatenüben konnten. Doch haben dabei auch noch andere Um-stände mitgewirkt, wie insbesondere ihre größere Kenntnisfremder Sprachen, ihre Reiselust uud ihre Anpassungsfähigkeit.

Seit einiger Zeit werden die schon früher gemachten An-strengungen immer erneuert, um die deutsche Sprache vonden zahlreichen Fremdwörtern zu reinigen, die in sie ein-gedrungen sind, und dies geschieht im Namen dessen, waSman den nationalen Geist nennt, ein an sich gutes undberechtigtes Gefühl, das aber im Laufe der Zeiten viel miß-braucht und von schlechten Elementen ausgebeutet wordenist. Es ist klar, daß Zeitungen, welche so viel mit fremdenAngelegenheiten zu thuu haben, auch dazu beigetragen haben,die Sprache mit fremden Elementen zu versetzen. Aber sonützlich es sein mag, die Sprache zn reinigen, so wäre esdoch schade, wenn dadurch die Neigung, fremde Sprachenzu lernen, beeinträchtigt würde. Glücklicherweise ist bis